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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Zeit  und  Raum  bei  dem  indogermanischen  Volke.

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waltenden  Gottheit, 1  sondern  erst  eine  abgeleitete  Kraft  vorliegt. ­
  Ich  denke  überhaupt,  dass  unter  dem  politisch-religiösen,
durchaus  unfreien  Formelwesen,  das  wir  als  Religion  der
Römer  kennen,  die  grosse  und  tiefe  Auffassung  von  dem  Ursprunge
  der  Götter  aus  dem  Raume  oder  der  Unendlichkeit
ganz  unrettbar  verschüttet  ist.
Umsomehr  kommt  uns  hier  wieder  Hesiod  zu  Statten,
der  ja  überhaupt  eine  Fülle  von  wahrhaft  historischen  Beobachtungen ­
  wie  über  das  physische  und  ethische  Leben  der
hellenischen  Zeitgenossen,  so  über  ihre  Anschauungen  von
überirdischen  Dingen  hinterlassen  hat.  Dieser  treue  Wahrheitszeuge ­
  dürfte  uns,  wie  zum  Theile  bei  der  Frage  nach  Zeit
und  Schicksal,  so  für  die  nach  Raum  und  waltender  Gottheit
aus  hellenischer  Ueberzeugung  die  der  indischen  und  germanischen ­
  entsprechende  Auffassung  vermittelt  haben.  Er  nennt
Chaos  das  Ursprüngliche;  das  Wort  dürfte  wie  Aditi  den  Raum
schlechthin  bezqjchnen. 2  Als  die  Nächstentstandenen  gibt  er  Erde
und  Liebe  an.  Aus  dem  Chaos 3  selbst  erheben  sich  Dunkel

1  Giambattista  Vico  meinte  immerhin  bemerkenswerter  Weise:  ,die  heidnische ­
  Grundvorstellung  von  der  Gottheit  als  einer  in  Flammenwettern
sich  offenbarenden  irdischen  Machtherrlichkeit  ist  überall  dieselbe,  Jupiter
unter  verschiedenen  Namen  der  gemeinsame  höchste  Gott  der  Heidenvölker. ­
 1  (K.  Werner,  Vico  als  Philosoph  [1879]  156.)  Das  Letztere  war
wesentlich  schon  Celsus’  Meinung,  gegen  die  sich  Origenes  lebhaft  wendet,
der  Zeus  nur  als  gxijj.ovx  uva  gelten  lassen  will  (Migne  patrol.  gr.  XI,
1245  und  1253:  Origenes  contra  Celsum  V,  41  und  46).
2  Zu  einer  ähnlichen  Auffassung  über  die  Bedeutung  des  Wortes  kommt
doch  auch  Stephanus’  Glossar  (London  1825)  p.  10359.  Die  dortige  Erklärung ­
  ist  aber  getrübt  durch  Herbeiziehung  der  ganz  unzutreffenden
Scheinanalogie  von  Genesis,  Kap.  I,  Vers  2,  eines  Zwischensatzes,  der
wohl  jetzt  als  Product  der  Esra’schen  Redactionsthätigkeit  gefasst  werden
darf.  —  Uebrigens  wird  das  Wort,  wie  ja  wohl  sprachlich  unzweifelhaft
richtig  ist,  bei  Curtius,  Etymologie  196  mit  ,Kluft‘  erklärt  und  die  Erklärung ­
  polemisch  eingehend  begründet.
*Htoi  uev  "cojt'.gtx  Xxo;  ysvst’,  xutxp  ette’.tx
rat’  EUpUGTEpVO;,  TZOVTüJV  EGO;  XGCpXAE;  Xtsf
”Eco;,  o;  xaXXiaro;  sv  aöxvxToTai  Oeoiai
’Ez  Xxeo;  o’  ,f Ep=ßo;  te  piXxiva  te  Nu;  iycVovto.
Nujcto;  o’  xu-’  A-Ofjp  te  */.x:  f Hpip7j  E^EycVOVTO,
Ou;  TEZS  JCUGXpi'/JJ  ’Epsßsi  ?iXoT7jTl  JA’.yctsX.
Theogonie  116—125.
Sitzungsber.  d.  phiL-kist.  CL  XCV1II.  Bd.  II.  Hfl.  33
            
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