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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Büdinger.

nicht  ewig;  seien,  so  ist  uns  auf  griechischem  Boden  wohl  hinlänglich ­
  die  gleiche  Ueberzeugung  entgegengetreten.
Man  darf  als  allgemeines  universalhistorisches  Gesetz  aufstellen, ­
  was  bei  dem  indogermanischen  Menschenzweige  auf
religiösem  Gebiete  als  das  wahrhaft  Charakteristische  und
Unterscheidende  namentlich  von  Semiten  und  Egyptern  1  sich
ergibt:  es  wird  hier  bei  tiefer  Ueberzeugung  von  dem  göttlichen ­
  Walten  doch  der  concreten  Anschauung  über  die  göttlichen ­
  Wesen  volle  Freiheit  gegönnt. 2  Es  ist  das  die  Quelle  der
freien  Aufnahme,  wie  der  freien  Abstreifung  religiöser  Formen.
Keck  genug  wagt  diesem  Gedanken  eines  der  jüngsten
Stücke  des  Rigveda  (X,  129,  7),  vielleicht  erst  aus  dem  fünften
oder  vierten  Jahrhundert  vor  Christo, 3  Ausdruck  zu  geben:
von  wo  die  Schöpfung  gekommen,  ob  geschaffen  oder  unerschaffen
  sei,  ,das  weiss  nur,  dess  Auge  sie  bewachet  vom
höchsten  Himmel,  oder  es  weiss  auch  er  es  nicht'.  4
Nach  den  bisherigen  Ausführungen  über  Zeit  und  Schicksal
dürfte  wohl  an  sich  klar  sein,  wie  wenig  ursprünglicher  Werth
den  Lehren  beizulegen  sei,  welche  sich  in  der  römischen

1  Für  diese  glaube  ich  auf  meine  beiden  Abhandlungen  ,Egyptisehe  Einwirkungen ­
  auf  hebräische  Kulte“  im  72.  und  75.  Bande  dieser  Sitzungsberichte ­
  (1872  und  1873)  hinweisen  zu  dürfen,  welche  ich  überhaupt  als
das  universalhistorische  Complement  der  vorliegenden  Untersuchung  betrachtet ­
  wünsche.
2  Wie  das  wohl  am  unbefangensten  die  Körner  bekannt  haben:  die  förmliche ­
  Gebetsformel  Jupiter  Optime  Maxime  vel  quo  alio  nomine  te  appellari
  volueris,  und  eine  ganze  Reihe  entsprechender  Thatsachen,  welche
sich  bei  Marquardt,  römische  Staatsverwaltung  (III,  1878)  S.  18  flgde
trefflich  zusammengestellt  finden.  Der  inschriftlich  bezeugte  Marspiter
(C.  I.  L.  I,  809  =  VI,  487;  vgl.  Hermes  XVI,  17)  gehört  wohl  auch  hieher.
3  Angelo  de  Gubernatis,  letture  sopra  la  mitologia  Vedica  (Firenze  1874)
269  mit  aller  Reserve  (non  siamo  liberi  da  ogni  sospetto);  auch  Kaegi
a.  a.  0.  mit  Hervorhebung  der  ganz  fremdartigen  monotheistischen  Tendenz ­
  des  Liedes.  In  den  Siebenzig  Liedern  des  Rigveda  von  Geldner
und  Kaegi  (1875)  wird  bei  Wiedergabe  des  Liedes  (S.  165)  erinuert,
wie  der  Anfang:  ,Da  gab  es  weder  Sein  noch  gab  es  "Nichtsein  .  .  .  .;  es
ruhte  auf  dem  leeren  Raum  die  Oede;  doch  eines  kam  vom  Leben  kraft
der  Wärme“  an  Völuspi  3  gemahne;  doch  auch  das  Wessobrunner  Gebet
gehört  in  diesen  Gedankenkreis:  do  dar  niuuiht  ni  uuas  enteö  ni  uuenteö
  enti  dö  uuas  der  eino  almahtico  got.
4  Muir  IV,  4;  V,  357.
            
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