Zeit und Kaum bei dem indogermanischen Volke.
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Wie diese Mören als Töchter der Gattin oder Tochter
des Zeus, der Themis, oder auch als Differenzierungen der
Horen hervortreten, so erscheint eine einzelne Moira oder Aisa.
Sie tritt auf, so viel sich erkennen lässt: von den ältesten
Dichtungen an, als Differenzierung der ausserhalb des Götterkreises
stehenden Gewalt. Diese Gewalt dürfen wir wohl,
nach den bisherigen Ausführungen, bei dem griechischen
Volke als die der Themis erkennen. Sie bezeichnet das, was
,zugetheilt' oder geschieden' ist als El|xap(xevY), 1 rkxpwpivr]. Zugleich
hat es nichts Befremdendes, dass auch diese Gestaltung
mit Zeus oder Göttern überhaupt verschmolzen gedacht, 2 wie
ja verschiedenen Göttern vom homerischen Zeitalter an gelegentlich
das Spinnen des Lebensfadens unbekümmert überlassen
wird. 3
Zunächst gedenkt man wohl in Anschauung dieses Sachverhaltes
an das Kant’sche Wort, 4 es ,muss die ursprüngliche
Vorstellung der Zeit als uneingeschränkt gegeben sein'. Aber
bei der, selbst auf diesem ernsten Gebiete uns entgegen getretenen
Leichtigkeit der Schöpfung immer neuer Gestaltungen
des Unfassbaren wird man mehrmal an den Streitruf des grossen
Skeptikers erinnert: ,Was der Theilung ins Unendliche fähig
ist, muss aus einer unendlichen Zahl von Theilen bestehen'. 5
Wenn aber in Bezug auf die indischen Gottheiten neuerlich
so stark betont worden ist, 6 dass sie keineswegs ohne
Anfang oder von selbst existierend, also zwar unsterblich, aber
1 Den Zusammenhang des Wortes mit Motpa veranschaulicht G. Curtius,
griechische Etymologie 331.
2 Aio; aica, Zeh; Motpay^nj;, Motpa 0s<bv. Selbst diese ist nicht schlechthin
unbezwingbar: üxfppiopa vo'aro; i-uyör). II. II, 155.
3 Preller, griechische Mythologie I, 328—331.
4 Kritik der reinen Vernunft (ed. Erdmann 1878) S. 62.
5 Whatever is capable of being divided in Infinitum, must consist of an
infinite number of parts. David Hume, on the infinite divisibility of our
ideas of Space and Time, in: Treatise on human nature (ed. Green and
Grose. London 1874) I, 334. Es ist höchlich zu bedauern, dass Hr.
Leslie Stephen in seiner so fesselnden, scharfsinnigen, inhaltsvollen
history of English thought in the eighteenth Century (London 1876) durch
sein vorwiegend politisch-religiöses Interesse sich hat verleiten lassen,
unsere grosse Frage wie unwillig nur hie und da zu streifen, z. B. I, 55.
6 Muir V, 13 gegen Max Müller’s Ansicht.