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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Zeit  und  Kaum  bei  dem  indogermanischen  Volke.

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Wie  diese  Mören  als  Töchter  der  Gattin  oder  Tochter
des  Zeus,  der  Themis,  oder  auch  als  Differenzierungen  der
Horen  hervortreten,  so  erscheint  eine  einzelne  Moira  oder  Aisa.
Sie  tritt  auf,  so  viel  sich  erkennen  lässt:  von  den  ältesten
Dichtungen  an,  als  Differenzierung  der  ausserhalb  des  Götterkreises ­
  stehenden  Gewalt.  Diese  Gewalt  dürfen  wir  wohl,
nach  den  bisherigen  Ausführungen,  bei  dem  griechischen
Volke  als  die  der  Themis  erkennen.  Sie  bezeichnet  das,  was
,zugetheilt'  oder  geschieden'  ist  als  El|xap(xevY),  1  rkxpwpivr].  Zugleich ­
  hat  es  nichts  Befremdendes,  dass  auch  diese  Gestaltung
mit  Zeus  oder  Göttern  überhaupt  verschmolzen  gedacht,  2  wie
ja  verschiedenen  Göttern  vom  homerischen  Zeitalter  an  gelegentlich ­
  das  Spinnen  des  Lebensfadens  unbekümmert  überlassen ­
  wird. 3
Zunächst  gedenkt  man  wohl  in  Anschauung  dieses  Sachverhaltes ­
  an  das  Kant’sche  Wort, 4  es  ,muss  die  ursprüngliche
Vorstellung  der  Zeit  als  uneingeschränkt  gegeben  sein'.  Aber
bei  der,  selbst  auf  diesem  ernsten  Gebiete  uns  entgegen  getretenen ­
  Leichtigkeit  der  Schöpfung  immer  neuer  Gestaltungen
des  Unfassbaren  wird  man  mehrmal  an  den  Streitruf  des  grossen
Skeptikers  erinnert:  ,Was  der  Theilung  ins  Unendliche  fähig
ist,  muss  aus  einer  unendlichen  Zahl  von  Theilen  bestehen'. 5
Wenn  aber  in  Bezug  auf  die  indischen  Gottheiten  neuerlich ­
  so  stark  betont  worden  ist, 6  dass  sie  keineswegs  ohne
Anfang  oder  von  selbst  existierend,  also  zwar  unsterblich,  aber
1  Den  Zusammenhang  des  Wortes  mit  Motpa  veranschaulicht  G.  Curtius,
griechische  Etymologie  331.
2  Aio;  aica,  Zeh;  Motpay^nj;,  Motpa  0s<bv.  Selbst  diese  ist  nicht  schlechthin ­
  unbezwingbar:  üxfppiopa  vo'aro;  i-uyör).  II.  II,  155.
3  Preller,  griechische  Mythologie  I,  328—331.
4  Kritik  der  reinen  Vernunft  (ed.  Erdmann  1878)  S.  62.
5  Whatever  is  capable  of  being  divided  in  Infinitum,  must  consist  of  an
infinite  number  of  parts.  David  Hume,  on  the  infinite  divisibility  of  our
ideas  of  Space  and  Time,  in:  Treatise  on  human  nature  (ed.  Green  and
Grose.  London  1874)  I,  334.  Es  ist  höchlich  zu  bedauern,  dass  Hr.
Leslie  Stephen  in  seiner  so  fesselnden,  scharfsinnigen,  inhaltsvollen
history  of  English  thought  in  the  eighteenth  Century  (London  1876)  durch
sein  vorwiegend  politisch-religiöses  Interesse  sich  hat  verleiten  lassen,
unsere  grosse  Frage  wie  unwillig  nur  hie  und  da  zu  streifen,  z.  B.  I,  55.
6  Muir  V,  13  gegen  Max  Müller’s  Ansicht.
            
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