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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Büdinger.

Mit  der  hesiodeischen  Themis  kommen  wir  zu  einer  Reihe
von  Differenzierungen  dieser  eigenartigen,  ausserhalb  des  Kreises
der  regierenden  Götter  waltenden  Gottheit.  Sie  gebärt  zuerst
die  Horen,  dann  die  Mören.
Der  Name  der  Horen  wird  von  Georg  Curtius  1  als  ,Jahreszeit, ­
  Zeit,  Blüthe'  erklärt,  und  derselbe  vergleicht  das  neutrale
yäre  im  Zend,  welches  unserem  deutschen  Jahr  nach  Laut
und  Bedeutung  vollkommen  entspricht.  ,Der  Thalamos  der
Horen  schliesst  sich  auf  im  Frühjahr',  wie  Pindar  in  einem
Fragmente  sagt. 2
Es  wird  doch  wohl  die  älteste  hellenische  Auffassung  sein,
welche  diese  Zeitengottheiten,  die  Horen,  in  zwei  gleichlautenden ­
  Stellen 3  der  Odyssee  zu  ,Hüterinnen  des  Himmels  und
Olympes'  macht,  sonach  wiederum  zu  einer  neben  den  Göttern
waltenden  und  sie  einschränkenden  göttlichen  Kraft.  Aber
dieser  harte  Gegensatz  fand  doch  bei  den  Griechen  eine  sehr
artige  und  das  religiöse  Gemüth  befriedigende  Lösung,  indem
die  Götterwohnung  Pforten  erhielt,  die  sich  von  selbst,  ob
auch  knarrend,  bei  der  Ausfahrt  von  Göttern  eröffnen.
Diese  erhabene  Auffassung  des  Berufes  der  Horen  ist
aber  früh  einer  andern  gewichen.
Wie  Pindar  sie  hehr  und  glückbringend  schildert,  haben
wir  4  gesehen.  In  dem  Liede  auf  einen  aus  Korinth  gebürtigen
Sieger  preist  er  dessen  Stadt  als  Sitz  der  Horen,  denen  er  die  drei
schon  bei  Hesiod  auftretenden  und  sogleich  weiter  zu  erwägen-1

  Griechische  Etymologie  254  mit  reichlichen  polemischen  Bemerkungen.
2  Welcker,  griechische  Götterlehre  III,  10.
3  Ilias  V,  748—752;  VIII,  392—396:
f/ Hp7j  8e  (xaariYi  6ot5?  s^sp-aisT’  ap 1  Xiztzomq  *
auTop.axai  51  ruXai  p.uxov  oOpavou,  a;  fvov  ? Qpai
ti);  EriTETpajrrai  piya;  oÖpavo$  OuXuixtco?  te
[^(Jlev  avaxXTvat  jcuxivov  vd<po$  rjo’  E7wt0Etvat]
tt)  pa  8t’  auxatov  xsvxprjvEx^a?  lyov  ijucou^.
Den  vorletzten  Vers  habe  ich  zu  athetieren  gewagt,  weil  er  eine  schöne
und  kräftige  altertümliche  Vorstellung  von  ehernen  Pforten  des  Götterhauses ­
  durch  eine  ziemlich  platte  Erklärung  mit  Gewölk  zu  beseitigen
sucht,  die  wohl  in  der  Peisistratidenzeit  entstanden  sein  mag,  von  neueren
Forschern  aber  um  Sarameiya’s  und  anderer  täuschender  indischer  Analogien ­
  willen  nicht  gebilligt  werden  sollte.
4  Vgl.  oben  S.  500,  Anm.  3.
            
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