Zeit und Raum bei dem indogermanischen Volke.
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doch mit vrüteti, drehen, und nicht vielmehr mit vreti, 1
schliessen, zusammenzubringen ist; es würde sich dann noch
eher zu dem indischen Schicksalsworte vidhi stellen lassen. 2
Noch bemerke ich, dass die Vorstellung des Spinnens,
welche mit der Schicksalsmacht bei mehreren europäischen
Völkern der indogermanischen Familie eben so eng verbunden,
als den Ariern fremd zu sein scheint, sich bei einigen
in der That auf ein Gespinnst von Wolle, wie Isidorus meint,
oder aus gewissen, in Hochasien noch heute zu Gespinnsten
verwendeten Nesseln beziehen mag, aber doch nicht älter als
die Kenntniss des Flachses bei den betreffenden Völkern 3 zu
sein braucht, aus welchem der Faden nach weislich 4 bei den
griechischen Mören gesponnen wird.
Immerhin scheint auch bei diesem europäischen Zweige
des indogermanischen Stammes die Vorstellung des Spinnens
erst allmälig bei der Gestaltung des Schicksals hervorgetreten
zu sein.
Bei den Griechen erscheint vielmehr als die ursprüngliche,
nach dem Namen mit jenem Vidhi, nach der Stellung mit dem
Daiva zunächst vergleichbare Versinnlichung des Schicksals
eine ordnende oder zutheilende, ausserhalb des Götterkreises
stehende, das ,Gesetz': Themis. 5 Als solche kennen und
preisen sie noch die grössten Dichter des fünften Jahrhunderts.
Aeschylus erklärt sie einerseits mit der Erde identisch
und unter vielen Namen eine Vorstellung bergend 6 — wie
etwa jenes indische Daiva ein ausserhalb des Götterkreises
1 Vgl. oben S. 499, Anm. 2.
2 vresti binden (Präs. Indieativ vrüza) würde auf ,Bindung 1 führen und
an sich aufs beste passen; doch muss man wohl darauf verzichten.
G. Curtius, griechische Etymologie S. 181, stellt das Wort zu gothisch
vrika verfolge, vruggö Schlinge, gr. fapy (apyvüu. 1 .) schliesse ein.
3 Hehn 146 flgde, 156, 161 flgde, 509—511.
4 Vgl. unten S. 504, Anm. 6.
5 Curtius a. a. O. 254 erklärt das Wort eben mit: Gesetz und stellt dazu
akt. dhäma, das unter Anderem auch Gesetz heisst, und Zeno dätam
Satzung, Gesetz.
• xai rata, tcoXXüW ovojxaTtov {xop^rj [Ha. Aeschyl. Prometheus 292.
Dieses wie die Mehrzahl der für Themis, Horen und Mören gebrachten
Citate entnehme ich Preller, griech. Mythologie I, 272 .flgde, wo man
nur einige Werthunterscheidung der Stellen vermisst.