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Büdinger.
Aber auch die Zweizahl scheint nicht haltbar zu sein;
denn Herr College Heinzei bemerkt, dass Skuld, das Werdenwollende,
die Zukunft, sich nur noch in der prosaischen Edda
Snorri’s und in jüngeren Denkmälern finde.
Als sicher bleibt sonach nur eine Norne: Vurdr, Urdr
übrig, welche von Jacob Grimm auch bei den übrigen germanischen
Völkern nachgewiesen worden ist: angelsächsisch Vyrd,
altsächsisch Wurdh, althochdeutsch Wurt. Hier gibt nun Herr
Heinzei wieder den Aufschluss, dass die Urform *Wurdis
nicht die Vergangenheit, sondern ,das Geschehen' — also, wie
ich meine, recht eigentlich das Schicksal — bezeichnet haben
könne; denn es verhalte sich zu *werdan wie Numft, Kumft
zu: nehmen, kommen. Aber noch eine andere Möglichkeit
eröffnet er: dass auch das ,Geschehen' nicht die älteste Bedeutung
böte. Die Wurzel vart, woher werdan stammt, liege
in dem Lateinischen vertere, aber auch im Slavischen vrüsta,
ich drehe, vreterio 1 Spindel. Hienach bedeute *Wurdis vielleicht
die Dreherin oder Spinnerin. — Auf alle Fälle bleibt
aber der Gedanke einer Zeitfunction mit ihr verbunden, etwa
im Sinne des Goethe’schen Erdgeistes, dass sie ,am sausenden
Webstuhl der Zeit' sitze. 2
Aus eben diesem Vorstellungskreise ist ja vielleicht auch
das altslavische Wort für Zeit vröme entstanden, wenn es
1 Leider hat Victor Hehn, Kulturpflanzen und Hausthiere (2. Aufl. 1874)
S. 485 flgd bei seiner so belehrenden Zusammenstellung über die Ausdrücke
für weben gerade der uns beschäftigenden Rücksicht keine Aufmerksamkeit
gewidmet. Das Seltsamste ist dabei wohl, dass altslaviscli
tükati (weben) zunächst mit texere verwandt und von den ihrerseits
gleichen weben (ahd. wepan), griechisch ucpalvsiv so ganz verschieden
ist. Zu vreteno gehört übrigens nach Miklosich s. v. verticillus
und unser Wirtel; lithauisch warpste (Spule, Spindel) rechnet er nicht
zu dieser Verwandtschaft, wie denn Job. Schmidt, die Verwandtschaftsverhältnisse
der indogermanischen Sprachen S. 40, n. 56, zeigt, dass es
zu einem andern Verwandtschaftskreise gehört.
2 Wie denn auch sonst bei Goethe so oft Uralte Grundvorstellungen her
vorbrechen; hier darf doch aii das Trotzwort im Prometheus erinnert
werden: ,Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und Deine 1 ,
wo denn freilich Zeit und Schicksal als Dualität erscheinen.