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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Büdinger.

die  Auffassung  von  den  übersinnlichen  Dingen  erhebliches
Gemeingut  des  indogennanischen  Völkerzweiges  nachweisbar
seien.
Die  Frage  schien  mir  um  so  wichtiger  für  die  Universalhistorie ­
  zu  sein,  als  die  Begriffe  von  Raum  und  Zeit  in  gewissem ­
  Sinne  den  Ausgangspunkt  der  metaphysischen  Betrachtungen ­
  in  der  neuern  1  Philosophie  bilden.  Da  sie  Geister
von  solcher  Bedeutung  wie  Locke  und  Leibniz,  Hume  und
Kant 2  eingehend  beschäftigt  haben,  so  schien  es  mir  für  den
grossen  Zusammenhang  der  Dinge  mannigfachen  Aufschluss
gewähren  zu  können,  wenn  sich  feststellen  liesse,  wie  weit
indogermanische  Eigenart  gleichsam  von  Anbeginn  an  in  diesen
Begriffen  wie  in  der  Sprache  selbst  eine  Aeusserung  ihrer
Lebensthätigkeit  gefunden  hat.
Auf  die  Thatsachen,  dass  hier  eine  Grundanschauung  vorliegt, ­
  deren  Ausdruck  ausser  aller  Willkür  stehe,  hat  zuerst
unser  Ehrenmitglied  Herr  Rudolf  Roth  in  zwei  Abhandlungen
aus  den  Jahren  1851  und  1866  aufmerksam  gemacht.  In  beiden
hat  sich  derselbe  jedoch  mehr  auf  die  sprachwissenschaftliche
und  religionsphilosophische  Feststellung  des  Thatbestandes  vom
indischen  Gesichtspunkte  aus  und  in  der  zweiten  Abhandlung
auch  auf  indisches  Forschungsgebiet  beschränkt.
Für  meine  heutige  Betrachtung  dürfte  es  sich  empfehlen,
zunächst  von  den  Thatsachen  auszugehen,  welche  eben  in  dieser
spätem  der  beiden  Abhandlungen  besprochen  sind:  ,Ueber  die
Vorstellung  vom  Schicksal  in  der  indischen  Spruchweisheit'. 3
Wir  dürfen  hier  die  Vorstellung  bei  Seite  lassen,  welche
in  dem  Schicksale  nichts  ausserhalb  des  Menschen  Stehenden
erkennt,  sondern  nur  das  .Karman',  das  ,Werk‘,  d.  h.  ,die
Summe  des  Verdienstes  und  der  Schuld'  der  Seele  während
aller  ihrer  bisherigen  Existenzen.  Denn  es  ist  ja  einleuchtend,
dass  eine  solche  Vorstellung  erst  entstehen  konnte,  als  die

1  Galluppi  hat  freilich  den  Ursprung  der  betreffenden  Anschauungen  mindestens ­
  bei  Kant  auf  Xenophanes  und  Gorgias  zurückzuführen  gesueht.
Werner  a.  a.  O.  292.
2  Zeit  und  Baum  ,sind  Beide  zusammengenommen  reine  Formen  aller  sinnlichen ­
  Anschauung  und  machen  dadurch  synthetische  Sätze  a  priori  möglich*. ­
  Kritik  der  reinen  Vernunft  (ed.  Erdmann  1878)  S.  67.
3  Festschrift  fiir  Bopp.  Tübingen  1866.
            
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