Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

446

Zimmermann.

vierten  Dimension  bedürfen,  keineswegs  gefolgert  werden,  dass
der  Raum,  der  sie  nicht  besitzt,  trotzdem  vierdimensional
sein  muss.
Eine  vierte  Dimension  des  Raumes,  wie  sie  More’s  Philosophie ­
  zugeschrieben  worden  ist,  ist  daher  in  derselben  weder
auf  einem  noch  auf  dem  andern  Wege  anzutreffen.  Die  widersprechende ­
  Annahme,  dass  ein  gewisser  Raum  mehr  Inhalt  in
sich  fasse,  als  er  seinem  Umfange  nach  aufnehmen  kann,  wird
von  derselben  nicht  in  dem  Sinne  gelöst,  dass  der  Raum  eine
von  den  drei  bekannten  unterschiedene  vierte  Dimension  besitze, ­
  nach  welcher  der  Ueberschuss  aus  den  drei  übrigen  abzufliessen
  vermöchte;  dieselbe  wird  vielmehr  in  dem  Sinne
beseitigt,  dass  sie  aus  einer  Raumfrage  in  eine  Massenfrage
verwandelt  und  statt  einer  neuen  Raumeigenschaft,  einer  vierten
Abmessung  desselben,  eine  neue  Masseneigenschaft,  die  Veränderlichkeit ­
  der  Wesensdichtigkeit,  d.  i.  die  Aufhebung  der
Undurchdringlichkeit  postulirt  wird.
Dass  dies  nicht  der  Sinn  sei,  in  welchem  durch  und  seit
Kant  von  der  vierten  Dimension  die  Rede  gewesen  ist,  braucht
kaum  noch  bemerkt  zu  werden.  Kant  erblickt  in  der  Frage
nach  der  Möglichkeit  anderer  Raumarten  als  der  uns  allein
,durch  Anschauung 4  geläufigen  dreidimensionalen  ein  rein  geometrisches ­
  und  mit  Bezug  auf  die  von  ihm  behauptete  Subjectivität
  der  Raumanschauung  ein  rein  erkenntnisstheoretisches
Problem.  In  ersterer  Hinsicht  soll  es  nichts  an  sich  Widersprechendes ­
  enthalten,  dass  —  wie  ausser  dem  uns  allein
,durch  Erfahrung'  bekannten  Universum  möglicherweise  unzählige ­
  andere  existiren,  von  denen  wir  ,keine  Erfahrung  haben“
—  neben  der  uns  allein  gegebenen  Raumart  von  drei  unzählige ­
  andere  Raumarten  von  vier,  fünf  und  mehr  Dimensionen ­
  sich  denken  lassen.  In  letzterer  Hinsicht  soll  es  nichts
Widersprechendes  enthalten,  dass  bei  erkennenden  Wesen  einer
anderen  —  sei  es  höheren,  sei  es  niederen  —  Gattung  als  wir
selbst,  eine  anders  geartete  subjective  Raumanschauung  —  vermöge ­
  welcher  dieselben  einen  Raum  von  mehr  oder  weniger
Abmessungen  anschauen  als  der  Mensch  —  sich  vorfindet,  ohne
dass  wir  uns,  in  der  Anschauung  unseres  dreidimensionalen
Raumes  befangen  wie  wir  sind,  von  derselben  ein  Bild  zu
machen  im  Stande  wären.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.