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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Henry  More  und  die  vierte  Dimension  des  Raumes.

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Eines  dieser  ,Phantome'  More’s  ist  auf  Newton  übergegangen. ­
  Die  Realität  und  zugleich  Immaterialität  des  Raumes
als  einer  unkörperlichen  Substanz,  ■welche  Leibnitz  in  den
Briefen  an  Clarke  mit  solchem  Nachdruck  bekämpft,  hat  Newton
mit  More  gemein.  Die  Vorstellung  der  Allgegenwart  Gottes
als  unendliche  Ausdehnung  desselben  im  Raume  und  die  Bezeichnung ­
  des  letzteren  als  des  sensorium  commune  der  Gottheit ­
  klingt  so  nahe  an  More’s  mystische  Aussprüche  an,  dass
an  einer  Nachwirkung  der  letzteren  auf  Newton  kaum  gezweifelt
werden  kann.  Wenn  überhaupt  der  Körper  nach  More’s  Definition ­
  ohne  Leben  und  Bewegung,  Quelle  und  Sitz  dieser
beiden  ausschliesslich  der  den  Leib  durchwohnende  und  beseelende ­
  Geist  ist,  so  verhält  sich  der  Raum  der  ihn  erfüllenden
Materie  gegenüber  genau  wie  die  Einzelseele  zum  Einzelkörper,
d.  h.  er  stellt  seiner  eigenen  Bewegungslosigkeit  ungeachtet  die
den  gesammten  Stoff  durchdringende  Weltseele,  das  die  Erkenntniss
  zugleich  und  Bewegung  der  Körperwelt  durch  Gott
vermittelnde  Band  mit  demselben  dar.  Wie  jeder  lebendige
und  bewegliche  Körper,  die  Weltkörper  nicht  ausgeschlossen,
seinen  Geist,  so  hat  die  gesammte  körperliche  Natur  am  Raum
ihren  ,Naturgeist'  (spiritus  naturae),  der  sich  zu  diesen,  den
Particulargeistern,  als  Universal-  und  Allgeist  verhält.
Aus  dieser  Geistnatur  des  Raumes  könnte  nun  allenfalls
gefolgert  werden,  was,  wie  wir  gesehen  haben,  aus  More’s
eigener  Erklärung  der  vierten  Dimension  nicht  geschlossen
werden  durfte,  dass  derselbe  dem  Raume  die  Vierdimensionalität
beigelegt  wissen  wolle;  wenn  es  nämlich  nach  dessen  Ansicht
zur  Natur  jedes  Geistes  wesentlich  gehörte,  vier  Dimensionen
zu  besitzen,  so  würde  der  Raum  als  ,Geist'  davon  nicht  ausgenommen ­
  werden  dürfen.  More  sagt  nun  zwar,  dass  jeder
Geist,  welcher  die  Fähigkeit  besitze,  sich  beliebig  ohne  Wesensverlust ­
  zusammenzuziehen  oder  zu  erweitern,  dazu  der  von  ihm
sogenannten  vierten  Dimension  bedürfe,  er  sagt  aber  an  keinem
Orte,  dass  alle  Geister  diese  Eigenschaft  besitzen  oder  ihrer
Natur  nach  besitzen  müssen,  widrigenfalls  sie  aufhören  müssten
Geister  zu  heissen.  Da  nun  gleichfalls  nirgends  behauptet  wird,
dass  der  Raum  als  Geist  zu  der  Classe  von  Geistern,  die  mit
obiger  Fähigkeit  ausgerüstet  sind,  gehöre,  so  kann  aus  dem
Umstand,  dass  einige  Geister,  weil  sie  dieselbe  besitzen,  einer
            
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