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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Henry  More  und  die  vierte  Dimension  des  Raumes.

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nach  dein  Gesetze  der  Trägheit  beharrt,  bis  er  von  aussen
durch  eine  mechanisch  wirkende  Ursache  (Stoss,  Schlag  etc.)
eine  Abänderung  derselben  erleidet,  während  der  Geist  das
Vermögen  besitzt,  seine  räumlichen  Grenzen  freiwillig  und  beliebig ­
  aus  eigener  Kraft  zu  erweitern  oder  zusammenzuziehen.
Da  die  Masse  des  Körpers  in  ihrer  Starrheit  aus  ebenso  starren
körperlichen  Elementen  (physischen  Einheiten,  Korpuskeln,
Globuli  etc.)  zusammengesetzt  ist,  deren  jedes  für  die  übrigen
undurchdringlich  ist,  so  kann  bei  völlig  erfülltem  Raum  eine
Verminderung  des  Volumens  nur  bei  entsprechender  Verminderung ­
  der  Masse  stattfinden,  d.  h.  die  absolute  Dichtigkeit
bleibt  immer  dieselbe;  weil  dagegen  der  Geist  als  zwar  ausgedehnte, ­
  aber  immaterielle  Substanz  weder  aus  Theilen  bestehen ­
  kann,  noch  den  Anstoss  zur  Veränderung  seiner  Ausdehnung ­
  von  aussen  durch  eine  mechanisch  wirkende  Ursache,
sondern  von  innen  durch  eine  zwecksetzende  Ursache  (Intellect
und  Wille)  empfängt,  so  braucht  die  Veränderung  seiner  räumlichen ­
  Grenzen  keineswegs  von  einer  entsprechenden  Veränderung ­
  seiner  ,essentia'  begleitet  zu  sein,  nur  deren  relative
Dichtigkeit  wird  entsprechend  eine  andere.
Der  fundamentalen  Schwierigkeit,  der  die  gewöhnliche
Auffassung  darin  begegnet,  zugeben  zu  sollen,  dass  in  einem
gegebenen  Raume  mehr  Inhalt  enthalten  sein  solle,  als  derselbe ­
  seinem  Umfange  nach  zu  fassen  vermag,  ist  sich  More
vollkommen  bewusst.  Er  trägt  seine  Annahme  der  ,vierten
Dimension'  mit  einer  gewissen  Aengstlichkeit  vor,  als  ob  er
voraussehe,  dass  er  damit  bei  Metaphysikern  wie  Physikern
sich  in  den  Verdacht  eines  Phantasten  bringen  müsse;  wie
man  aus  einer  später  anzuführenden  Aeusserung  von  Leibnitz
sieht,  ist  seine  Besorgniss  nicht  grundlos  gewesen.  Die  Entwicklung ­
  seiner  Hypothese  leitet  er,  wie  ein  Eingeständniss,
mit  der  Bemerkung  ein,  dass  er  nichts  verhehlen  wolle  (ut
nihil  dissimulem).  Die  Annahme  selbst  bezeichnet  er  nicht  als
eine  ,zulässige'  (admissibilis),  sondern  als  eine  ,zuzulassende'
(admittendo),  weil,  während  man  bei  allen  materiellen  Dingen
mit  den  bekannten  drei  Dimensionen  zur  Erklärung  vollkommen
ausreiche,  bei  den  Geistern  Erscheinungen  Vorkommen,  welche
über  dieselben  hinausgehen.  Er  leitet  also  das,  was  er  die  vierte
Dimension  der  Geister  nennt,  nicht  aus  dem  Begriff,  sondern
            
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