Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Henry  More  und  die  vierte  Dimension  des  Raumes.

429

Gefahr,  die  Seele  als  theilbar,  andererseits  zu  der  Folgerung,
einen  blossen  Theil  der  Seele  als  selbstständig  empfindende
Seele  denken  zu  müssen,  wodurch  die  Einheit  derselben  verletzt ­
  und  aus  einer  substantiellen  in  eine  blos  collective,  die
Eine  Seele  in  eine  Summe  selbstständiger  und  von  einander
unabhängiger  Seelchen  verwandelt  wird.  Schreiten  wir  aber,
beides  zu  vermeiden,  wie  die  Holenmerianer  zu  der  Annahme
fort,  dass  die  Seele  zwar  in  der  Wunde  ganz,  aber  nichtsdestoweniger ­
  in  ihrem  ursprünglichen  Ort  unvermindert  befindlich
sei,  so  haben  wir  nicht  mehr  eine,  sondern  eine  verdoppelte
Seele  angenommen.
Die  immaterielle  aber  ausgedehnte  Seele  begegnet  all
diesen  Schwierigkeiten;  nichts  hemmt  dieselbe  ihre  Ausdehnung
bis  zu  dem  Punkt  der  zu  erleidenden  Einwirkung  d.  i.  bis
zu  dem  leiblichen  Sitze  der  Wunde  zu  erweitern,  ohne  dabei
irgend  einen  der  bisher  von  ihr  ausgefüllten  Räume  sich  selbst
überlassen  zu  müssen.  Zwischen  dem  Ort  der  Wunde  und
dem  bis  zu  demselben  fortgeschrittenen  Raum  der  Seele  besteht
keine  Distanz,  kein  leerer  Zwischenraum  mehr,  der  einen  salto
mortale  der  Einwirkung  nöthig  machte.  Die  so  räumlich  erweiterte ­
  Seele  hat  aber  darum  weder  einen  ihrer  vorher  eingenommenen ­
  Orte  im  Leibe  verlassen,  noch  sich  in  einzelne
selbstständige  Theile  aufgelöst,  sie  ist  ganz  und  völlig  die  eine
und  mit  sich  identische  geblieben,  gleichviel,  ob  der  Raum,
innerhalb  dessen  sie  sich  ausdehnt,  vermehrt,  vermindert,  oder
derselbe  geblieben  sei.  Die  Ausdehnung  der  Seele  inmitten  des
gleichfalls  räumlich  ausgedehnten  Leibes  macht  dieselbe  fähig,
in  allen  Theilen  desselben  zugleich  d.  h.  im  Leibe  allgegenwärtig ­
  zu  sein,  ohne  dazu  eine  itio  in  partes  erforderlich  zu
machen.
Allerdings,  wie  es  möglich  sei,  dass  die  Seele  einen  Raum,
der  aus  Theilen  besteht  (e  partibus  constat)  erfülle,  ohne  dass
dabei  ihrerseits  ein  Zergehen  in  Theile  (itio  in  partes)  sich
einstelle,  hat  der  mehr  phantasievolle  als  exact  zu  denken  gewohnte ­
  Metaphysiker  zu  zeigen  unterlassen.  Die  stetige  Ausfüllung
  des  Raumes  setzt  die  Erfüllung  eines  continuum’s  durch
ein  anderes  continuum  voraus,  dass  heisst,  sie  macht  unerlässlich,
dass  für  jeden  Bestandtheil  des  einen  ein  correspondirender
Bestandteil  in  dem  andern  continuum  zu  finden  sei.  Da  nun
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.