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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Z  immermann.

Seele,  auf  jeden  dazwischenliegenden  Punkt  bis  auf  den  ,nächsten'
und  von  diesem  endlich  auf  die  Seele  übertragen,  so  ist  der
Umstand  zu  bemerken,  dass  die  Reihe  dieser  Punkte  entweder,
wie  in  der  geometrischen  Linie  unendlich,  so  dass  zwischen  je
zwei  Punkten  sich  ein  dritter,  oder,  wie  in  der  physikalischen
Linie,  endlich  ist,  so  dass  zwischen  je  zwei  Punkten  leerer
Raum  sich  befindet.  Findet  das  erstere  statt,  so  gibt  es  überhaupt ­
  keinen  nächsten  Punkt,  folglich  auch  keinen  dem  Orte
der  Seele  ,zunächst'  gelegenen;  findet  das  letztere  statt,  so  ist
zwar  jeder  inmitten  des  Ortes  der  Wunde  auf  der  einen  und
des  Ortes  der  Seele  auf  der  anderen  Seite  gelegene  Punkt  der
Linie  für  zwei  andere  derselben,  den  ihm  vorangehenden  und
den  ihm  nachfolgenden  der  nächste;  aber  da  zwischen  je  zwei
Punkten  leerer  Raum  sich  befindet,  so  kann  die  Uebertragung
zwischen  je  zwei  Punkten  nur  vermittelst  eines  Sprunges  über
die  Leere  statthaben,  d.  h.  die  Schwierigkeit,  welche  die  actio
in  distans  —  das  Verursachen  oder  Erleiden  einer  Wirkung  an
einem  Orte,  wo  sich  das  Wirkende  oder  das  Leidende  nicht  befindet ­
  —  enthält,  besteht  nicht  blos  für  den  Ort  der  Wunde
und  den  davon  entfernten  Ort  der  Seele,  sondern  kehrt  für  je
zwei  Punkte  der  dazwischen  gelegenen  Entfernung  wieder.
Lag  hier  der  Anstand  darin,  dass  die  Seele  von  einer
entfernten  Ursache  eine  Einwirkung  empfangen,  so  besteht  sie
im  zweiten  der  obigen  Fälle  darin,  dass  die  Seele  zu  jener
entfernten  Ursache  sich  hinbewegen  soll,  ohne  dadurch  den  Rest
des  von  ihr  bewohnten  Leibes  ihrer  Gegenwart  zu  berauben.
Stellen  wir  uns  den  Vorgang  in  der  Weise  vor,  dass  die  Seele,
um  das  Schmerzgefühl  der  Wunde  empfinden  zu  können,  sich
in  die  Wunde  selbst  versetzen  muss,  so  schwindet  zwar  die
Schwierigkeit,  welche  die  räumliche  Entfernung  des  Empfindenden ­
  von  dem  Empfindung  Verursachenden  erzeugt,  weil  der
momentane  Ort  des  einen  mit  dem  des  anderen  zusammenfällt,
allein,  indem  die  Seele  sich  ganz  in  die  gefühlte  Wunde  versenkt, ­
  wird  sie  aus  allen  übrigen  Theilen  des  Leibes  gleichsam
heraüsgezogen,  oder  was  dasselbe  ist,  der  ganze  Leib  mit  Ausnahme ­
  jener  Wunde  momentan  zur  Seelenlosigkeit  verurtheilt.
Nehmen  wir,  dem  zu  entgehen,  dagegen  an,  dass  nur  ein  Theil
der  Seele  seinen  ursprünglichen  Ort  verlassen  und  sich  in  den
der  Wunde  hineinversetzt  habe,  so  gerathen  wir  einerseits  in  die
            
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