426
Zimm ermann.
Cartesianischen Behauptung, dass der Geist, obgleich unausgedehnt,
existire — und der Hobbesianischen, dass derselbe, weil
unausgedehnt, nicht existire, sucht die Ansicht More’s durch
die Lehre, dass der Geist, obgleich nicht unausgedehnt, doch
existire, und obgleich existent, doch ausgedehnt sei — eine
Vermittelung herzustellen. Dagegen wird durch die Lehre,
dass der Schwerpunkt der Materialität der körperlichen Substanz
nicht in der mathematischen Eigenschaft, welche dieselbe
mit dem Raume gemein hat, nämlich in der Ausdehnung nach
drei Dimensionen, sondern in der physikalischen Beschaffenheit,
die sie vor dem (blos geometrischen) Raume voraus hat, liege,
ein neues Moment in die Naturphilosophie eingeführt, welches
der Metaphysiker More nicht der mathematischen Physik des
Cartesianischen Rationalismus, sondern der empirischen Physik
des Bacon’schen Empirismus verdankt. Dieses neue Moment
sind diejenigen Eigenschaften der körperlichen Substanz, welche
die empirischen Physiker als deren Schwere, Trägheit, Undurchdringlichkeit
u. s. w. bezeichnen, und welche ebendadurch mit
der blossen Ausdehnung, in welcher nach der Lehre des Cartesianismus
die Natur der Materie bestehen soll, weder eins,
noch aus derselben ableitbar sind.
Mit der Behauptung, dass der Geist seiner Immaterialität
unbeschadet Ausdehnung besitze, hat der Metaphysiker More
dem philosophischen Problem seiner Zeit (dem problema unionis
corporis atque animae) eine neue Gestalt gegeben. Der Cartesianische
Dualismus, nach welchem der Geist und der Leib
zweierlei qualitativ verschiedenen Substanzen angehören, zwischen
welchen eine Wechselwirkung unmöglich ist, hat für die
Thatsache, dass die Veränderungen in dem einen mit jenen in
dem anderen sich in Uebereinstimmung befinden, keine andere
Erklärung, als das asylum ignorantiae, die Berufung auf göttliche
Assistenz. Die Seele, die nirgend (nullibi), auch nicht
in deren angeblichem Sitz, in der Zirbeldrüse zu finden, und
der Leib, der im Raume, denselben nach allen drei Dimensionen
ausfüllend, gegeben ist, verhalten sich zwar nach dem
bekannten Bilde wie der Reiter zu seinem Rosse, deren Bewegungen
mit einander harmoniren, von denen aber der erstere
dem letzteren weder die Richtung zu geben, noch dieses von
jenem dieselbe zu empfangen im Stande ist. Folge dieses