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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Zimm  ermann.

Cartesianischen  Behauptung,  dass  der  Geist,  obgleich  unausgedehnt, ­
  existire  —  und  der  Hobbesianischen,  dass  derselbe,  weil
unausgedehnt,  nicht  existire,  sucht  die  Ansicht  More’s  durch
die  Lehre,  dass  der  Geist,  obgleich  nicht  unausgedehnt,  doch
existire,  und  obgleich  existent,  doch  ausgedehnt  sei  —  eine
Vermittelung  herzustellen.  Dagegen  wird  durch  die  Lehre,
dass  der  Schwerpunkt  der  Materialität  der  körperlichen  Substanz ­
  nicht  in  der  mathematischen  Eigenschaft,  welche  dieselbe
mit  dem  Raume  gemein  hat,  nämlich  in  der  Ausdehnung  nach
drei  Dimensionen,  sondern  in  der  physikalischen  Beschaffenheit,
die  sie  vor  dem  (blos  geometrischen)  Raume  voraus  hat,  liege,
ein  neues  Moment  in  die  Naturphilosophie  eingeführt,  welches
der  Metaphysiker  More  nicht  der  mathematischen  Physik  des
Cartesianischen  Rationalismus,  sondern  der  empirischen  Physik
des  Bacon’schen  Empirismus  verdankt.  Dieses  neue  Moment
sind  diejenigen  Eigenschaften  der  körperlichen  Substanz,  welche
die  empirischen  Physiker  als  deren  Schwere,  Trägheit,  Undurchdringlichkeit ­
  u.  s.  w.  bezeichnen,  und  welche  ebendadurch  mit
der  blossen  Ausdehnung,  in  welcher  nach  der  Lehre  des  Cartesianismus ­
  die  Natur  der  Materie  bestehen  soll,  weder  eins,
noch  aus  derselben  ableitbar  sind.
Mit  der  Behauptung,  dass  der  Geist  seiner  Immaterialität
unbeschadet  Ausdehnung  besitze,  hat  der  Metaphysiker  More
dem  philosophischen  Problem  seiner  Zeit  (dem  problema  unionis
corporis  atque  animae)  eine  neue  Gestalt  gegeben.  Der  Cartesianische
  Dualismus,  nach  welchem  der  Geist  und  der  Leib
zweierlei  qualitativ  verschiedenen  Substanzen  angehören,  zwischen ­
  welchen  eine  Wechselwirkung  unmöglich  ist,  hat  für  die
Thatsache,  dass  die  Veränderungen  in  dem  einen  mit  jenen  in
dem  anderen  sich  in  Uebereinstimmung  befinden,  keine  andere
Erklärung,  als  das  asylum  ignorantiae,  die  Berufung  auf  göttliche ­
  Assistenz.  Die  Seele,  die  nirgend  (nullibi),  auch  nicht
in  deren  angeblichem  Sitz,  in  der  Zirbeldrüse  zu  finden,  und
der  Leib,  der  im  Raume,  denselben  nach  allen  drei  Dimensionen ­
  ausfüllend,  gegeben  ist,  verhalten  sich  zwar  nach  dem
bekannten  Bilde  wie  der  Reiter  zu  seinem  Rosse,  deren  Bewegungen ­
  mit  einander  harmoniren,  von  denen  aber  der  erstere
dem  letzteren  weder  die  Richtung  zu  geben,  noch  dieses  von
jenem  dieselbe  zu  empfangen  im  Stande  ist.  Folge  dieses
            
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