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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Henry  More  und  die  vierte  Dimension  des  Kauraes.

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Dieser  Raum,  den  er  ,Geist'  nennt,  ist,  wie  More  sich
ausdrückt,  die  Pforte  (janua),  durch  welche  Cartesius  Gott  aus
der  Welt  hinaus-,  More,  wie  er  sich  schmeichelt,  mit  dem
glücklichsten  Erfolg  (felicissimo  successu),  wieder  in  dieselbe
hineinführt.  Denn  wenn  es  wahr  ist,  dass  der  Raum  eine  unkörperliche ­
  Substanz  ist,  so  hat  es  nichts  widersprechendes  an
sich,  das  Gott  als  unkörperliche  Substanz  sich  im  Raume  befinde, ­
  oder  selbst  räumlich  gedacht  werde.  Es  leuchtet  aber
auch  ein,  dass,  da  die  Materie  als  ausgedehnte  körperliche
Substanz  sich  nicht  anders  als  räumlich  und  Räume  in  sich
schliessend  denken  lässt,  dieselbe  sich  nicht  ohne  ein  Unkörperliches, ­
  in  dem  sie  selbst  oder  ein  solches,  das  in  ihr
sei,  dass  also  überhaupt  das  Körperliche  nicht  ohne  in-  und
durchwohnendes  Unkörperliches  sich  denken  lässt.  In  beiden
Fällen  ist  die  Cartesische  Ausschliessung  Gottes  oder  des
Geistes  von  der  Natur,  Ausschliessung  der  Natur  von  Gott
oder  dem  Geist  überwunden.
Der  Raum  ist  das  Band,  welches  die  beiden  vom  Gesichtspunkte ­
  der  Cartesianischen  Philosophie  für  einander  unzugänglichen ­
  Reiche  des  Geistigen  und  Körperlichen  unter
einander  verknüpft.  Insofern  der  Geist  räumlich,  also  ausgedehnt ­
  ist,  ist  er  der  Materie,  insofern  die  Materie  im  Raum,
also  ausgedehnt  ist,  ist  sie  ihrerseits  wieder  dem  Geiste  verwandt. ­
  Gott  und  Natur,  Geistiges  und  Körperliches,  Immaterielles ­
  und  Materielles  kommen  darin  überein,  dass  sie
sämmtlich  im  Raume  und  räumlich  sind.  Die  unübersteiglich
scheinende  Kluft  zwischen  dem  Denkenden  und  Ausgedehnten,
geistigen  Zweck-  und  mechanischen  wirkenden  Ursachen  ist
dadurch  überbrückt.  Gott  und  der  Geist  als  intelligente,
zwecksetzende  Ursache  findet  keinen  Widerstand  mehr,  im
Reiche  der  Natur  als  mit-  und  bewirkende  Ursache  sich
geltend  zu  machen.  Die  Materie  als  Raum  erfüllende  Substanz ­
  kann  keinen  Anstand  darbieten  in  die  Kette  ihrer  bewirkenden ­
  materiellen  auch  wirkende  geistige  Ursachen  aufzunehmen. ­
  Gott,  der  allwirksame  Geist,  ist  als  im  Raum
Allgegenwärtiger  von  keinem  Theil  der  den  Raum  in  unendlicher ­
  Ausdehnung  erfüllenden  Materie  —  der  mit  dem
Raum  identische  ,Geist'  ist  als  die  Materie  endlos  umfassende
Ausdehnung  nicht  von  der  Materie  ausgeschlossen.
            
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