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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Zimmer  mann.

den  positiven  Thatsachen  aus  und  ordnet  diesen  die  Vernunft,
dieser,  der  Aprioriker,  geht  von  der  Vernunft  aus  und  ordnet
derselben  die  Thatsachen  unter.
Die  ,mathematische  Krankheit',  die  More  dem  Descartes
zuschreibt,  lässt  sich  in  diesem  Sinne  auch  als  ,apriorische.'
bezeichnen.  Der  Mathematiker  sucht  die  Bestätigung  seiner
Sätze  durch  die  Erfahrung  nicht  und  bedarf  ihrer  auch
nicht,  um  von  der  Nothwendigkeit  seiner  Lehren  überzeugt
zu  sein.  Das  mathematische  Streben  geht  wie  das  philosophische ­
  des  Rationalisten  von  durch  sich  selbst  einleuchtenden
und  andere  begründenden  Sätzen,  Principien,  aus,  die  keine  Eifahrungsthatsachen
  sind,  denen  daher  ebenso  wie  den  aus  ihnen
auf  nothwendige  Weise  gezogenen  Consequenzen,  durch  solche
wohl  widersprochen,  deren  Wahrheit  aber  durch  solche  niemals ­
  widerlegt,  d.  h.  weil  die  letzteren  gänzlich  disparater
(heterogener)  Natur  sind,  niemals  wie  die  Behauptung  A  durch
deren  contradictorisches  Gegentheil  non  A  aufgehoben  werden
kann,  ohne  dass  die  Vernunft  mit  allem,  was  ihr  (ihrer  specifischen
  Natur  nach)  als  evident  und  nothwendig  erscheinen  muss,
aufgehoben  wird.  Dasselbe  wird  daher  nothwendig  (wie  das
philosophische  des  Rationalisten),  vorausgesetzt,  dass  die  Evidenz ­
  zweifellos  und  das  folgernde  Verfahren  logisch  fehlerfrei
ist,  bei  seinen  Behauptungen  beharren,  und  jederzeit  auf  dieselben ­
  immer  wieder  zurückkommen,  gleichviel,  ob  dieselben
mit  der  Erfahrung  übereinstimmen  oder  nicht,  wenn  und  so
lange  die  für  Evidenz  empfängliche  und  logisch  deducirende
(menschliche  oder  absolute)  Vernunft  dieselbe  ist.
Es  ist  das  Vertrauen,  dass  die  Wahrheit  nur  Eine,  der
auf  dem  Wege  der  Erfahrung  erkannte  Theil  derselben  im
Grunde  mit  dem  durch  Vernunft  erkannten  gleichartig  und  es
für  den  Inhalt  derselben  gleichgiltig  sei,  ob  derselbe  durch
die  Vernunft  oder  durch  die  Erfahrung  in  Besitz  genommen
werde,  welches  jenen  erkenntnisstheoretischen  Optimismus  (Dogmatismus) ­
  bei  den  Rationalisten  nicht  weniger  als  bei  den
Empirikern  erzeugt  und  erst  durch  die  Lehre,  welche  den
Grundstein  des  (Kant’schen)  Kriticismus  bildet,  zerstört  wird,
dass  es  zweierlei  Wahrheit  gebe,  solche,  welche  niemals  durch
reine  sich  selbst  überlassene  Vernunft,  und  solche,  welche  niemals ­
  durch  reine  sich  selbst  überlassene  Erfahrung  erkannt
            
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