Henry More und die vierte Dimension des Raumes.
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die Naturbetrachtung eingeführt hatte, welche den Unwillen
More’s erregte. Eine Naturerklärung, die -sich nur dann sicher
fühlt, wenn sie die gesammten Phänomene der Natur statt von
veränderlichen ,göttlichen Rathschlüssen*, von den unveränderlichen
Gesetzen der Materie und ihrer Bewegung abhängen
lässt, schien ihm nicht blos deswegen verwerflich, weil
sie den Einfluss von Zweckursachen, sondern weil sie auch
unter den wirkenden Ursachen den Einfluss jeder wie immer
gearteten nichtmateriellen Ursache auf die Naturerscheinungen
ausschliesst. Dieselbe hob zwar in seinen Augen nicht
wie der Atheismus die Existenz der Gottheit geradezu auf,
sondern liess Gott als Schöpfer der Materie und (allenfalls)
auch der Bewegungsgesetze derselben bestehen; sie leugnete
nicht, dass die letzteren von dem Willen Gottes abhängen, so
dass er allenfalls dieselben auch anders bestimmt haben könnte;
aber sie stellte in Abrede, dass er bei der Bestimmung derselben
durch die Rücksicht auf die Erreichung gewisser (i. e.
moralischer) Zwecke sich habe leiten lassen. Die Materie
und deren Bewegungsgesetze einmal gesetzt, machte diese
Naturerklärung jeder weiteren Einwirkung der Gottheit auf
die Natur ein plötzliches Ende. Die Materie unter dem Impulse
ihrer Bewegungsgesetze brachte sämmtliche weitere Naturphänomene
aus sich allein, ohne Dazwischenkunft Gottes oder irgend
eines anderen immateriellen Wesens (eines Geistes) mit Nothwendigkeit
hervor. Gott erscheint, nachdem er die körperliche
Materie und deren Bewegungsgesetz geschaffen, für alle
kommende Zeit gleichsam in ehrenvollen Ruhestand (otium
cum dignitate) versetzt und aus der in Thätigkeit gesetzten
und sich selbst in derselben erhaltenden Weltmaschine hinausgeschoben.
Die Geisterwelt aber, deren Vorhandensein der
Cartesianismus ebensowenig wie das der Gottheit verneint, ist
von der Verbindung mit der Körperwelt so völlig abgeschnitten,
dass es in Bezug auf diese ganz gleichgiltig ist, ob eine solche
existirte, d. h. dass sich an dieser und ihren Ereignissen nichts
ändern würde, wenn jene, wie der Materialismus will, nicht
existirte.
More ist Denker genug, um den religiösen Widerwillen,
den eine solche Naturanschauung ihm einflösst, nicht für
eine wissenschaftliche Widerlegung derselben gelten zu lassen.
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. XCVIII. Bd. II. Hft. 27