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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Henry  More  und  die  vierte  Dimension  des  Raumes.

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die  Naturbetrachtung  eingeführt  hatte,  welche  den  Unwillen
More’s  erregte.  Eine  Naturerklärung,  die  -sich  nur  dann  sicher
fühlt,  wenn  sie  die  gesammten  Phänomene  der  Natur  statt  von
veränderlichen  ,göttlichen  Rathschlüssen*,  von  den  unveränderlichen ­
  Gesetzen  der  Materie  und  ihrer  Bewegung  abhängen
  lässt,  schien  ihm  nicht  blos  deswegen  verwerflich,  weil
sie  den  Einfluss  von  Zweckursachen,  sondern  weil  sie  auch
unter  den  wirkenden  Ursachen  den  Einfluss  jeder  wie  immer
gearteten  nichtmateriellen  Ursache  auf  die  Naturerscheinungen ­
  ausschliesst.  Dieselbe  hob  zwar  in  seinen  Augen  nicht
wie  der  Atheismus  die  Existenz  der  Gottheit  geradezu  auf,
sondern  liess  Gott  als  Schöpfer  der  Materie  und  (allenfalls)
auch  der  Bewegungsgesetze  derselben  bestehen;  sie  leugnete
nicht,  dass  die  letzteren  von  dem  Willen  Gottes  abhängen,  so
dass  er  allenfalls  dieselben  auch  anders  bestimmt  haben  könnte;
aber  sie  stellte  in  Abrede,  dass  er  bei  der  Bestimmung  derselben ­
  durch  die  Rücksicht  auf  die  Erreichung  gewisser  (i.  e.
moralischer)  Zwecke  sich  habe  leiten  lassen.  Die  Materie
und  deren  Bewegungsgesetze  einmal  gesetzt,  machte  diese
Naturerklärung  jeder  weiteren  Einwirkung  der  Gottheit  auf
die  Natur  ein  plötzliches  Ende.  Die  Materie  unter  dem  Impulse
ihrer  Bewegungsgesetze  brachte  sämmtliche  weitere  Naturphänomene ­
  aus  sich  allein,  ohne  Dazwischenkunft  Gottes  oder  irgend
eines  anderen  immateriellen  Wesens  (eines  Geistes)  mit  Nothwendigkeit
  hervor.  Gott  erscheint,  nachdem  er  die  körperliche ­
  Materie  und  deren  Bewegungsgesetz  geschaffen,  für  alle
kommende  Zeit  gleichsam  in  ehrenvollen  Ruhestand  (otium
cum  dignitate)  versetzt  und  aus  der  in  Thätigkeit  gesetzten
und  sich  selbst  in  derselben  erhaltenden  Weltmaschine  hinausgeschoben. ­
  Die  Geisterwelt  aber,  deren  Vorhandensein  der
Cartesianismus  ebensowenig  wie  das  der  Gottheit  verneint,  ist
von  der  Verbindung  mit  der  Körperwelt  so  völlig  abgeschnitten,
dass  es  in  Bezug  auf  diese  ganz  gleichgiltig  ist,  ob  eine  solche
existirte,  d.  h.  dass  sich  an  dieser  und  ihren  Ereignissen  nichts
ändern  würde,  wenn  jene,  wie  der  Materialismus  will,  nicht
existirte.
More  ist  Denker  genug,  um  den  religiösen  Widerwillen,
den  eine  solche  Naturanschauung  ihm  einflösst,  nicht  für
eine  wissenschaftliche  Widerlegung  derselben  gelten  zu  lassen.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCVIII.  Bd.  II.  Hft.  27
            
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