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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Z  i  mraerraan  n.

lieh,  noch  mehr  als  mathematischer  Gewissheit  erhoben
werde!
More  nennt  diese  Vorliebe  Descartes  für  mathematische
Exactlieit,  dessen  ,mathematische  Krankheit'  (morbum  mathematicum)
  und,  wie  er  sich  ausdrückt,  ,Gewissheitsbrunst'  (certitudiinis
  bruriginem),  die  ihn  verleitet  habe,  denjenigen  Erklärungen ­
  von  Naturerscheinungen,  die  sich  mathematisch
erweisen  lassen,  den  Vorzug  vor  jeder  anderen  zu  geben.  Aus
jener  allein  sei  dessen  prahlerische  (magnifica  pollicitatio)  Verheissung
  entsprungen,  die  Folgerungen  aus  der  mechanischen
Nothwendigkeit  der  Bewegung  durch  seine  ganze  Philosophie
ohne  eine  einzige  Unterbrechung  durchführen  zu  wollen  (de
conclusionibus  ex  Mechanica  motus  necessitate  per  universam
suam  Philosophiam,  perpetuo  deducendis).  Denn  der  kluge  Mann
(vir  sagacissimus)  habe  sich  der  Gewissheit  jener  Arten  und
Weisen,  wie  er  das  Geschehene  in  der  Natur  zu  erklären  unternahm, ­
  ,nicht  sicher'  gefühlt,  so  lange  göttliche  Rathschlüsse
(welche  dieselben  Phänomene  auch  auf  andere  Wege  hervorzubringen
  vermöchten)  unter  die  (Natur-)  Gesetze  der  Materie
und  der  Bewegung  gemengt  würden  (si  divina  consilia  cum
materiae  motusque  legibus  miscerentur).  In  Folge  des  Uebereifers
  und  des  Bemühens,  das  Besondere  und  Einzelne  (in
der  Natur)  aus  dem  für  gewiss  und  unverbrüchlich  gehaltenem ­
  Gesetz  der  Materie  und  ihrer  der  Grösse  nach  im
gesammten  Weltall  stets  gleichbleibenden  Bewegung  abzuleiten, ­
  sei  es  dem  hochsinnigen  Denker  nicht  selten  begegnet,
dass  er  dasjenige  voreilig  schon  geleistet  zu  haben  geglaubt,
was  er  zu  leisten  überall  sich  vorgesetzt  hatte.  Weil  aber
dieser  Glaube  den  Denker  im  Vertrauen  zu  der  Richtigkeit
seiner  Annahme  und  der  Verlässigkeit  seiner  (der  mathematischen) ­
  Methode  nothwendig  bestärken  muss,  so  musste  die
nothwendige  Folge  die  sein,  dass  derselbe  Alles,  was  sich  mit
mathematischer  Behandlung  nicht  vertrug,  aus  der  Erklärung
der  Naturphänomene  endgiltig  ausschliessen  und  sich  zu  deren
Begründung  immer  eigensinniger  auf  rein  mechanische  Gründe
(rationes  mene  mechanicas)  einschränken,  d.  h.  das  geheime
,Gift'  sich  in  seine  Philosophie  immer  tiefer  einfressen  musste.
Wie  man  sieht,  ist  es  die  Herrschaft  mechanischer  Naturgesetze, ­
  wie  sie  Cartesius  als  Vater  der  modernen  Physik  in
            
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