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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Zimmer  mann.

der  Seele  von  irdischen  Schlacken  erlangt  werde.  Kein  Buch
habe  auf  ihn  so  tiefen  und  durchschlagenden  Eindruck  gemacht, ­
  als  jenes  goldene  Büchlein,  das  auch  Luther  durch
und  durch  für  sich  eingenommen  habe,  die  ,Theologia  deutsch'.
Zwar  seien  ihm  auch  in  diesem  Spuren  genug  begegnet  einer
tiefsinnigen  Schwermuth,  und  nicht  wenige  philosophische
Mängel,  das  aber,  was  dasselbe  einzuschärfen  nicht  müde  wird,
dass  wir  den  Eigenwillen  (unser  eigen  Selbst)  ausziehen  und
tödten,  dass  wir  uns  selber  sterben,  nur  Gott  allein  leben,  durch
seinen  Antrieb  und  Zulassung  allein  thun  sollen,  was  wir  thun,
sei  seinem  eigenen  Wissen  und  Gewissen  so  von  Grund  aus
verwandt  und  gleichsam  wie  aus  ihm  selber  geboren  gewesen,
dass  ihm  nichts  klarer  und  wahrer  habe  dünken  können.  Fortan
handelte  es  sich  bei  ihm  nicht  mehr  um  das  scholastische  principium
  individuationis,  d.  h.  um  die  eitle  Furcht,  das  persönliche ­
  Selbst  an  die  Gottheit  zu  verlieren,  sondern  um  den
Kampf  im  Individuum  selbst  zwischen  demjenigen,  was  thierisch,
und  demjenigen,  was  göttlich  im  Menschen  ist,  und  in  welchem
der  Sieg  der  thierischen  Individualität,  d.  i.  des  dem  göttlichen
Willen  sich  entgegensetzenden  Eigenwillens  zwar  dem  Scheine
nach  Leben,  aber  in  Wahrheit  Tod,  dagegen  der  Sieg  der  göttlichen ­
  Individualität,  d.  i.  des  dem  göttlichen  Willen  sich  hingebenden ­
  Willens  zwar  dem  Scheine  nach  Tod,  aber  in  Wahrheit ­
  Leben  ist.  Diese  Gedanken  führten  ihn,  dem  die  Ueberzeugung
  von  Gottes  Sein  und  immanenter  Gegenwart  im  Geiste
von  Jugend  auf  feststand,  vom  Zweifel  am  Sein  der  eigenen
Individualität  zur  Gewissheit  der  Gottähnlichkeit  und  des  göttlichen ­
  Ursprungs  des  individuellen  Menschengeistes,  als  Glied
eines  aus  Gott  stammenden  Reiches  von  Geisterindividuen,
dessen  Vertheidigung  gegen  die  Angriffe  des  Materialismus
einer-  und  des  physikalischen  Mechanismus  andererseits  fortan
das  unausgesetzte  Thema  seiner  zahlreichen  Schriften  bildete.
Dieselben,  soweit  sie  überhaupt  philosophischen  und  nicht
theologischen  oder,  wie  die  von  ihm  zum  Theil  auf  Veranlassung ­
  einer  Dame,  der  auch  als  Gönnerin  des  Theosophen
van  Helmont  bekannten  Lady  Conway,  niedergeschriebenen  Erläuterungen ­
  zu  den  Schriften  des  alten  Testaments,  kabbalistischen ­
  Inhalts  sind,  sind  theils  in  gebundener,  theils  in  ungebundener ­
  Rede  abgefasst  und  von  ihm  selbst  auf  Wunsch  und
            
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