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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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B  ü  d  i  n  g  o  r.

Verfasst  etwa  in  Justin’sl.  Zeit  oder  in  Justinian’s  Regierungsanfängcn,
  unter  Regenten  mit  inasslosen  und  gleichsam  göttlichen
Herrschaftsansprüchen,  vielleicht  während  der  uns  noch  heute
belehrenden  Gesetzgebungsarbeiten,  dazu  unter  dem  Drange  der
alle  Gemütlier  erregenden  dogmatischen  Kämpfe,  sind  die  unter
dem  Namen  des  Areopagiten  Dionysius  geschriebenen  Bücher, 1
namentlich  das  über  die  himmlische  Hierarchie, 2  eine  Fundgrube ­
  kühner,  scharf  polemischer  und  immer  begeisterungsvoller ­
  Schilderungen,  besonders  überirdischer  Dinge.  Auf  Karl’s
des  Kahlen  Befehl  etwa  im  Jahre  859  von  Johannes  Scotus
Erigena  in  das  Lateinische  übersetzt,  sind  sie  im  zwölften
Jahrhundert  ein  Gegenstand  eifrigen  Studiums  gewesen. 3  Gerhoh
hat  sie,  wie  früher  bemerkt  ward,  auch  bewundert. 1  Von  Hugo
von  S.  Victor  sind  ,zehn  Bücher  zur  Erklärung  der  himmlischen ­
  Hierarchie'  erhalten,  welche  Collegienhefte  darzustellen
scheinen,  da  in  denselben  wiederholt  von  dem  Verfasser  als
,unsrem  Hugo'  die  Rede  ist. 5
Den  Autor  nun  führt  Otto  im  dreissigsten  Capitel  ein
und  bezieht  sich  auch  später  noch  einige  Male  auf  den-1

  Im  Jahre  532  waren  die  Werke  vorhanden,  welche  doch  erst  nach  513
entstanden  sein  können,  durchaus  von  der  Absicht  der  Verschmelzung
des  Neuplatonismus  mit  dem  Christeuthume  eingegeben  und  wahrscheinlich ­
  in  Antiochia  verfasst  sind.  Vgl.  Ersch  und  Gruber,  Encycl.  XXV,  351.
2  Kcp\  xf]5  oupavta;  Upapylaq.  Vgl.  a.  a.  O.  349  flgde.
3  Wie  es  kommt,  dass  Migne,  dessen  Abdruck  (patrologia  latina,  CXXII,
1023  sqq.)  ich  benutze,  nur  drei  Handschriften  vergleichen  liess,  vermag
ich  nicht  zu  sagen.  Von  den  betreffenden  beiden  Wienern  stammt  nr.  971,
elften  Jahrhunderts,  aus  Salzburg,  und  kommt,  wie  sich  sofort  gezeigt
hat,  für  diese  Untersuchung  ausser  Frage;  nr.  754,  zwölften  Jahrhunderts,
war  früher  Eigenthum  des  im  Jahre  1460  gegründeten  Chorherrenstiftes
zu  Wiener-Neustadt,  wie  Herr  Custos  J.  Haupt  gefälligst  festzustellen
vermochte.  Eben  diese  muss  gleichzeitiger  Randbemerkungen  halber  noch
auf  ihr  Verhältnis  zu  Otto  untersucht  werden.  Dasselbe  gilt  von  der
Münchner  Handschrift,  die  ich  nicht  gesehen  habe:  elften  Jahrhunderts,
cod.  Ratisbonensis  S.  Emmerammi  nr.  137.
4  Vgl.  oben  S.  346,  Anm.  5.
5  Ich  benutzte  nicht  den  Migue’schen  Abdruck  von  Hugo’s  Schriften,  sondern ­
  wie  oben  S.  341,  Anm.  1  bemerkt,  die  dreibändige  Ausgabe  von
Rouen  1648,  in  deren  erstem  Bande  die  hier  in  Betracht  kommenden
libri  decem  in  explanationem  coelesti  hierarchiae  abgedruckt  sind.
            
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