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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Büdinger.

zweiten  Fünftel  des  Buches  an,  bis  auf  die  Augustin  und  dem
Pseudoareopag'iten  Dionysius  entlehnten  Stücke,  in  wesentlich
selbständigen  Conteinplationen,  wie  er  das  auch  gegen  den
Schluss  etwas  zögernd  ausspricht.  Er  erinnert  hier  Isingrim,
dass,  was  er  bringe,  nicht  Erklärung  seiner  eigenen  Ansicht
sei,  sondern  nur  die  von  Schriftstellen,  die  er  ungenügend
formuliert  haben  möge,  aber  doch  in  der  Ueberzeugung  vortrage, ­
  dass  er  das  Buch  dem  Publicum  vorzulegen  wenig  geneigt ­
  sei. 1
Und  gerade  im  Beginne  dieses  dem  Anscheine  nach
selbständigen  Versuches  sagt  er  denn  auch,  da  sein  Geist  längst
auf  andere  Dinge  abgezogen  sei,  fühle  er  sich  kaum  im  Stande,
den  schwierigen  Gegenstand  zu  behandeln.-  Er  arbeitete  nur
weiter  im  Vertrauen  auf  den,  dessen  Auferstehung  eben  gefeiert ­
  werde;  das  muss  auf  Ostern  (31.  März)  1146  gehen,  da
zu  Ostern  1147  (20.  April)  bereits  der  Frieden  im  Reiche  verkündet ­
  und  Otto  selbst  zum  Kreuzzuge  entschlossen  war.
Eben  wegen  des  Festes  will  er  denn  auch  vor  Allem  von
der  Auferstehung  der  Todten  handeln.  Aber  wie  unwillkürlich
wird  er  zu  der  Versicherung  und  gelehrten  Erweisung  der
Thatsache  getrieben,  welche  jenem  Jahrhundert  wohl  ohnehin
noch  für  unumstösslicli  galt,  dass  Alles  in  einem  grossen  Weltbrande ­
  zu  Grunde  gehen  werde. 3  Da  nun  aber  ein  Bibelwort

1  Novi  quippe  —  und  das  ist  ein  edles  Wort  über  historische  Composition  —
sic  magna  dici  oportere,  ut  semper  supersit,  quod  cum  diligentia  inquiratur
  ne  vile  appareat,  si  totum  vulgariter  paudatur.  Proinde  sicut  ea,
quae  non  de  nostro,  sed  scripturarum  sensu,  quamvis  inculto  prolata  eloquio
  charitati  tuae  devote  offerimus,  sic  nolentibus  et  spernentibus  impudenter
  non  digerimus  (VIII,  35).  Mau  sollte  fast  glauben,  dass  die  erste
Recension  überhaupt  nicht  publiciert  worden  und  nur  in  dem  Isingrim
übersendeten  Exemplare  vorhanden  gewesen,  erst  die  zweite,  und  zwar
von  Kaiser  Friedrich’s  Hofe  aus  einem  grösseren  Leserkreise  zugänglich
geworden  sei.  Dadurch  würde  sich  auch  erklären,  wie  jede  Spur  der  ersten
Recension  in  den  Handschriften  verschwinden  konnte.
2  Fateor,  quia  ad  plurima  sensu  iam  diu  distracto  minorem  me,  imo  nullum,
ad  tarn  ardua  tractanda  iudicans,  digitum  ori  supposui,  malens  dies  malos
(doch  wohl  wieder  Bedrängnisse  des  Landes  Freising)  silentio  transigere,
quam  magnis  de  rebus  in  perturbatione  temerarie  disputare.  VIII,  7.  Das
im  Texte  Folgende  ist  in  demselben  Capitel.
3  Vgl.  oben  S.  355,  Anm.  6  zu  VIII,  8.
            
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