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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

338

Büdinger.

früher  offen  ausgesprochenen  Ansichten  entgegen, 1  nach  der
Rückkehr  von  der  kläglich  misslungenen  Kreuzfahrt  nach
einem  Wunsche  und  gleichsam  im  Dienste  Bernhard’s 2  sich
zu  einer  Vermittlung  zu  Gunsten  des  Königs  Roger  bei  seinem
Halbbruder  König  Konrad  bestimmen  liess,  die  bei  demselben ­
  eine  sehr  ungünstige  Aufnahme  fand.  Otto’s  scheint
Bernhard  seinerseits  mindestens  in  den  von  Mabillon  veröffentlichten ­
  Schriften  nicht  zu  gedenken. 3
Es  dürfte  hienach  ausser  Zweifel  stehen,  dass  eine  irgend
erhebliche  schriftliche  oder  mündliche  Einwirkung  auf  Otto’s
Gedankengang  in  dem  universalhistorischen  Versuche  von  Seiten
Bernhard’s  nicht  anzunehinen  ist.  Immerhin  bedarf  die  Sache
noch  einer  gründlichen  Erörterung  von  theologischer  Seite.  In
der  Frage  über  die  Erscheinung  des  am  Ende  des  universalhistorischen ­
  Verlaufes  erscheinenden  Antichrist,  welche  für
Otto,  wie  wir  noch  sehen  werden,  so  erheblich  war,  verhält
sich  Bernhard  geradezu  ablehnend. 4  Auch  über  den  künftigen

Janssen,  Wibald  von  Stablo  145.  Giesebrecht,  Kaiserzeit  IV,  338,  488.
Wilmans  p.  XIV  betont  die  Feindseligkeit  Otto’s  gegen  Roger  mit  Recht:
in  libris  tarn  infesto  erga  Rogerium  Siciliae  regem  se  praebuit  animo,
ut  tyrannum  eum  constanter  norainare  soleret;  aber  die  folgenden  Sätze
sind  weder  in  dieser  Allgemeinheit  noch  in  ihrer  Schlussfolgerung  richtig:
neque  S.  Bernhard  um  ea  veneratione  prosecutus  est,  qua  plurimi  homines
erga  ipsam  imbuti  erant.  (Das  gilt  doch  nur  der  Zeit  vor  dem  Kreuzzuge.) ­
  Res  igitur  miranda,  quod  Otto  his  conatibus  Germaniae  gloriae
inimicis  intercessorem  se  gessit  (es  handelt  sich  vielmehr  um  ein  allgemeines ­
  oder,  im  Sinne  jener  Zeiten,  kirchliches  Interesse  und  nicht
um  ein  nationales  im  modernen  Sinne,  vollends  bei  der  gefährlichen
Politik  der  Staufer  gegen  Italien),  nisi  quod  ipsum  hoc  tempore  a  Conrado
  discessisse  statuamus.  (Die  ,Discession‘  war  denn  doch  eine  auch
im  deutschen  Interesse  sehr  berechtigte.)  Vgl.  Giesebrecht  IV,  339  flgde.
2  Vgl.  Jaffe,  Gesell,  des  deutschen  Reiches  unter  Conrad  III.  S.  180—188.
3  Doch  sollte,  obwohl  ich  gleich  meinen  Vorgängern  hierin  nicht  glücklich
war,  bei  genauerer  Prüfung  sich  wohl  eine  Anspielung  auf  das  Werk
Otto’s  finden  lassen,  da  Bernhard  doch  mindestens  für  das  achte  Buch
Interesse  haben  musste  und  allem  Vermuthen  nach  aus  Morimond  Keuntniss
  von  demselben  erhalten  haben  dürfte.
4  De  Antichristo  cum  inquirerem  (Norbertum)  durante  ad  huc  ea,  quae
nunc  est  generatione  revelandum  illum  esse  se  certissime  scire  protestatus
est.  At  cum  eandem  certitudinem  unde  haberet  sciscitanti  mihi  exponere
vellet,  audito  quod  respondit  non  me  illud  pro  certo  credere  debere  putavi.
Ad  summam  tarnen  .hoc  asseruit,  non  visurum  se  mortem,  nisi  prius  videat
            
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