Die Entstehung des achten Buches Otto’s von Freising.
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fahrt' 1 auch seiner sich bemächtigt hatte, scheint die Verehrung
gegen den hochsinnigen, als Redner nur mit Cicero und Edmund
Burke 2 vergleichbaren Prediger entstanden und derart gewachsen
zu sein, wie er ihr nach Bernhard’s Tode (20. August 1153)
so enthusiastischen Ausdruck gegeben hat. 3 Wenn aber Otto
bei dem Berichte über die während seiner Kreuzfahrt in Rheims
gehaltene Disputation Bernhard’s mit dem Bischöfe Gilbert
de la Porree 3 von Poitiers eher für diesen Partei nimmt und
eine Selbsttäuschung Bernhard’s in Folge menschlicher Schwäche
für möglich hält, 5 wie Aehnliches ja auch anderen heiligen
und weisen Männern begegnet sei, 0 so muss man doch sehr
bedenken, dass auch das Cardinalcollegium als solches gegen
Bernhard und den Papst selbst wegen einer bei eben diesem
Anlasse von dem erstem veranlassten Erklärung sehr entschieden
Stellung nahm. 7
Am einfachsten wird sich doch wohl auch auf diese
Weise der Widerspruch erklären, dass er, seinen eigenen
1 Spiritus peregrini Dei; den wunderlichen Ausdruck, den Giesebrecht IV,
254, 474 schwerlich treffend als ,Geist des Pilgergottes 1 fasst, hat Otto,
wie auch Wilmans Archiv X, 144, Anm. 4 bemerkt, keineswegs aufgebracht;
er entschuldigt seinen Gebrauch — ac si quisquam a nobis
peregrinus Dens putetur — mit einer damals entstandenen apokalyptischen
Schrift, die ihm curios gefallen hat (Gesta Frid. I, prooemium p. 9); immerhin
ist zu bemerken, dass der Ausdruck sicli bereits in der Widmung an
Isiugrim ankündigt: Haec est civitas Dei, Hierusalem coelestis, ad quam
suspirant in peregrinatione positi filii Dei, confusione temporalium tanquam
Babylonica captivitate gravati. p. 5.
2 Burke’s universalhistorisehe Stellung ist auch nach der gedankenreichen
Ausführung über denselben bei Leslie Stephen (history of Englisli thought
in the eighteenth Century II, 219 sqq.) noch einer Erörterung werth.
3 Gesta Frid. I, 34. Erat illo in tempore . .: abbas quidam, Bernhardus
dictus, vita et moribus venerabilis, religionis ordine conspicuus, sapientia
literarumque scientia praeditus, signis et miraculis clarus; ... ab eo . . .
tanquam a divino oraculo eonsulendum decernunt; . . . apud omnes
Galliae ac Germaniae populos ut propheta ac apostolus habebatur.
4 Bonif. Huber 57, 138.
5 Utrum autem praedictus abbas Clarevallensis in hoc negocio ex humanae
infirmitatis fragilitate tanquam horno deceptus fuerit; vel episcopus . . .
ecclesiaeiudicium evaserit, discutere veliudicare nostrum non est. Gestal, 57.
6 Quod enim sancti et sapientes viri . . . frequenter in talibus fallantur, et
novis et antiquis probatur testimoniis. Ibid.
7 Clarevallensis abbas verba, quae cardinalibus displicerent, protulit. Gesta
I, 56 und die Erklärung gegen den Papst I, 57„
S itzungsber. d. pLil.-liist. CI. XCVIII. lid. I. Hft.
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