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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Büdinger.

§•  4.
Ycrhältniss  zu  Bernhard  von  Clairvaux.
Der  geistliche  Charakter,  in  welchem  Otto  den  ganzen
Ablauf  der  Universalhistorie  betrachtet,  ist  für  ihn  nicht  nur
das  eigentlich  Erhebliche,  sondern  auch  durchaus  das  Ursprüngliche ­
  und  gleichsam  Pflichtgemässe  in  seiner  Arbeit.  Es  bildet
den  Berührungspunkt  seiner  Weltanschauung  mit  der  seines
Ordens  der  Cistercienser.  Diese  Anschauung  entspricht  durchaus ­
  dem  mystischen  Zuge,  welcher  in  diesem  Orden  damals
an  dem  Abte  Bernhard  von  Clairvaux  den  vorzüglichsten  Vertreter ­
  hatte. 1
Mit  diesem  hat  er  allem  Anscheine  nach  längere  Zeit,
auch  nachdem  er  in  den  Cistercienserorden  getreten  war,  Beziehungen ­
  nicht  gepflegt.  Trotz  der  unläugbaren  Thatsaclie,  dass
er  gleichzeitig,  wenn  auch  vielleicht  nur  ganz  kurze  Zeit, 2
das  nächst  Clairvaux  angesehenste  Cistorcienserkloster  Morimond
leitete,  und  trotz  der  für  Otto’s  nächste  Verwandte,  die  hohenstaufischen
  Brüder,  so  fruchtbar  gewesenenVermittlung  Bernhard’s
bei  Kaiser  Lothar, 3  hat  Otto  gleichsam  keine  Notiz  von  ihm
genommen.  1  Erst  als  ,der  Geist  des  Gottes  der  Pilger-1
  Zu  dieser  Anschauung  ist  auch  Wilmans  bei  der  Edition  gekommen:
Supra  vidimus,  Ottonem  intimo  ex  animo  Cisterciensium  ordini  se  adscripsisse.
  Nullum  dubium,  quin  et  mentis  eo  tempore  duce  S.  Bernliardo
florentissimus  et  in  omnibus  regni  et  sacerdotii  negotiis  potentissimus
agebatur,  partieeps  factus  sit.  Quod  quidem  mystica  indoles  totius  chronici,
praesertim  autem  libri  VIII  .  .  .  affatim  testatur.  p.  XXI.
2  Wilmans’  Vorrede  zur  Ausgabe  p.  X.
3  Jaffe,  Lothar  159,  und  genauer:  Giesebrecht,  deutsche  Kaiserzeit  IV,
103,  441.
4  Imperator  .  .  .  Frhlericum  et  Conradum  duces  interventu  Clarevallensis
  abbatis  Bernhardi  in  graeiam  rocepit,  VII,  19,  ist  denn  doch  schon
die  kühlste  Form  der  Mittheilung  von  Bernhard’s  Verdienst  in  dieser
Sache.  Es  ist  mir  aber  doch  sehr  zweifelhaft,  ob  die  Aeusserung  VII,  23
über  König  Roger:  ,sunt  tarnen  qui  dicant,  eum  liaec  potius  intuitu  justiciae
  quam  t.yrannidis  exercere 1  in  der  Tliat  mit  Wilmans  gerade  auf
S.  Bernhard  zu  beziehen  sei,  dessen  Intervention  zu  Roger’s  Gunsten
doch  erst  im  Jahre  1150,  als  er  sie  selbst  theilte,  zu  Otto’s  voller  Kenntniss
  gekommen  und  bemerkenswerth  erschienen  sein  dürfte;  dazu  bedurfte ­
  es  zu  einer  Behauptung,  wie  sie  die  sunt  qui  aufstellten,  nur
einigen  guten  Willens  zu  Gunsten  Roger’s.
            
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