Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Die  handschriftliche  Ueberlieferung  des  Salvianus.

27

Jemand  erwidern,  dass  solche  ludicra  nicht  in  allen  Städten
der  Römer  aufgeführt  werden.  Das  ist  wahr;  ja  noch  mehr,
sie  werden  auch  dort  nicht  mehr  aufgeführt,  wo  sie  früher
aufgeführt  worden  sind.  So  in  Mainz  nicht,  weil  es  von
Grund  aus  zerstört  wurde,  in  Köln  nicht,  weil  es  von  Feinden
besetzt  ist,  in  Trier  nicht,  weil  es  viermal  zerstört  wurde
u.  s.  w. 1  Und  weiter:  ,Es  wird  nicht  mehr  gespielt,  quia  agi
ludicra  prae  miseria  temporis  atque  egestate  non  possunt.
Daher  war  es  wohl  ein  Fehler  (uitiositatis  fuit),  wenn  früher
gespielt  wurde,  dass  aber  jetzt  nicht  mehr  gespielt  wird,  das
ist  blos  necessitatis.  Calamitas  enim  fisci  et  mendicitas  iam
Romani  aerarii  non  sinit,  ut  ubique  in  res  nugatorias  perditae
profundantur  expensae. 1  Nun  kommt  der  Schluss  (44):  non  est
ergo  quod  blandiri  etc.  ,Wir  dürfen  uns  daher  nichts  darauf
zu  Gute  tliun,  dass  jetzt  nicht  mehr  in  allen  Städten  die
ludicra  stattfinden,  wo  sie  früher  stattfanden. 1  Damit  wäre  der
Gedanke  vollständig  erschöpft.  Es  wird  aber  noch  einmal
mit  folgendem  enim  derselbe  Gedanke  in  echt  salvianischer,
behaglicher  Breite  knapp  zusammengefasst  und  das  ist  der
oben  bezeichnete  locus  desperatus.  Der  Gedanke  muss  also
sein:  ,Wir  brauchen  uns  darauf  Nichts  einzubilden,  denn
erstens  existiren  manche  Städte  überhaupt  nicht  mehr  und
zweitens  gibt  es  solche,  wo  inzwischen  eingetretene  traurige
Katastrophen  die  Schuld  tragen,  dass  sie  nicht  mehr  für  die
einstigen  ludicra  passen. 1  Nun  vergleiche  man  damit  die  obige
Ueberlieferung  der  Stelle.  Die  Schwierigkeit  steckt  in  den
Worten:  et  ubi  siquidem  diu  acta  sunt,  quae  etc.;  mit  der  einfachen ­
  Beseitigung  des  et,  an  die  Halm  dachte,  scheint  wenig
geholfen  und  er  setzt  auch  selbst  richtiger  hinzu:  nisi  grauius
uitium  latet  in  loco  obscuro.  1  Der  nothwendige  Gedanke  ist  nun,
wie  mir  scheint,  ohne  der  Ueberlieferung  allzu  grosse  Gewalt
anzuthun,  hergestellt,  wenn  man  et  ubi  ganz  leicht  in  alibi
ändert  und  nach  acta  sunt  den  Ausfall  eines  euenerunt  (in  Folge
der  Aehnlichkeit  von  sunt  und  runt)  statuirt.  Dann  hiesse  die
1  Brassicanus,  der  die  Schwierigkeit  der  Stelle  auch  fühlte,  springt  im
cod.  v  in  gewohnter  Weise  mit  dem  Texte  herum:  das  fehlende  quia
ersetzt  er  am  Rande  mit  quod,  das  si  von  siquidem  radirt  er  aus,  ebenso
das  ihn  genirende  quae  id,  das  efßcerent  ändert  er  in  tffecemnt  und
schreibt  vor  esse  non  jwssunt  das  diu.  Und  —  das  Alles  umsonst.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.