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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Avorroismms  in  der  christlich-peripatetisehen  Psychologie.

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deres  wirken,  schlechtliin  unräumlich  seien,  womit  jedoch  keineswegs ­
  ihre  Existenz  in  Frage  gestellt  wäre.'  Denn  zufolge  ihrer
Untheilbarkeit,  die  von  allen  echten  Peripatetikern  vertheidiget
wird,  könnte  sie  ja  völlig  illocul  sein.  Der  Platoniker  Alcinous
grill'  vermittelnd  ein,  indem  er  dreierlei  Arten  von  Oertlichkeiten
  und  Locationen  unterschied,  die  circumscriptive,  die  definitive ­
  und  die  Locatio  per  operationem;  der  Peripatetiker  Duns
Scotus  eignete  sich  diese  Unterscheidung  an.  Auf  Grund  derselben ­
  lässt  sich  behaupten,  dass  die  vom  Leibd  geschiedene
Seele  definitive  alicubi  sei.  Aber  wie  gelangt  sie  zu  diesem
ihrem  neuen  Uhi?  Wollte  man  mit  Duns  Scotus  sagen,  durch
einen  Motus  continuus,  so  würde  sich  dies  wohl  mit  der  aristotelischen ­
  Lehre  eben  so  in  Einklang  bringen  lassen,  wie  die
Annahme  einer  Mutatio  subita. 2  Niphus  kann  sich  jedoch  mit
keiner  dieser  beiden  Annahmen  befreunden.  Ihm  erscheint  die
thomistische  Ansicht  als  die  richtige,  welcher  zufolge  der  des
Leibes  ledigen  Seele  dieselbe  Art  der  Bewegung  zukommt,  wie
dem  Engelgeiste,  der  zum  Räumlichen  per  contactum  virtutis
in  Beziehung  steht,  und  durch  dieses  sein  Verhältniss  zum
Räumlichen  der  Nothwendigkeit  des  von  Duns  Scotus  angenommenen ­
  Motus  continuus  entrückt  ist. 4  Der  Art  und  Weise,
in  welcher  Thomas  3  zeigt,  wie  der  Engelgeist  von  einem  Orte
im  Raume  zu  einem  entfernten  anderen  ohne  Durchschreitung
aller  Medien  zwischen  beiden  gelangen  könne,  zollt  Niphus
seine  vollste  Bewunderung.
So  sehen  wir  die  averroistische  Bewegung  auf  psychologischem ­
  Gebiete  im  Bereiche  der  christlichen  Peripatetik  schliesslich ­
  an  demjenigen  Punkte  anlangen,  bei  welchem  sie  der  Natur  der
Sache  nach  anlangen  musste,  wenn  der  christliche  Gedanke  sein
Recht  behaupten  sollte.  Die  beiden  geschichtlichen  Grenzpunkte
1  Aristoteles  enim  contra  antiquos  4  Physic.  ait:  Licet  omne  quod  est  in
loco,  sit  ens,  non  tarnen  omne  ens  est  in  loco.  Ibid.
2  Per  mutationem  subitam,  quomodo  si  daretur  vacumn,  grave  fierit  deorsum.
  Ibid.
3  Snfficiat  nobis  dicere  aniniam  non  esse  in  loco  per  hoc  quod  continetur
a  loco,  sed  potius  quia  virtute  sua  illam  continet,  sic  movetur  non  per
boc  quod  ipsa  successive  commensuretur  loco,  sed  per  hoc  quod  successive
  sua  virtute  di  versa  loca  tangit.  Ibid.
4  1  qu.  53,  art.  2.
            
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