Der Avorroismms in der christlich-peripatetisehen Psychologie.
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deres wirken, schlechtliin unräumlich seien, womit jedoch keineswegs
ihre Existenz in Frage gestellt wäre.' Denn zufolge ihrer
Untheilbarkeit, die von allen echten Peripatetikern vertheidiget
wird, könnte sie ja völlig illocul sein. Der Platoniker Alcinous
grill' vermittelnd ein, indem er dreierlei Arten von Oertlichkeiten
und Locationen unterschied, die circumscriptive, die definitive
und die Locatio per operationem; der Peripatetiker Duns
Scotus eignete sich diese Unterscheidung an. Auf Grund derselben
lässt sich behaupten, dass die vom Leibd geschiedene
Seele definitive alicubi sei. Aber wie gelangt sie zu diesem
ihrem neuen Uhi? Wollte man mit Duns Scotus sagen, durch
einen Motus continuus, so würde sich dies wohl mit der aristotelischen
Lehre eben so in Einklang bringen lassen, wie die
Annahme einer Mutatio subita. 2 Niphus kann sich jedoch mit
keiner dieser beiden Annahmen befreunden. Ihm erscheint die
thomistische Ansicht als die richtige, welcher zufolge der des
Leibes ledigen Seele dieselbe Art der Bewegung zukommt, wie
dem Engelgeiste, der zum Räumlichen per contactum virtutis
in Beziehung steht, und durch dieses sein Verhältniss zum
Räumlichen der Nothwendigkeit des von Duns Scotus angenommenen
Motus continuus entrückt ist. 4 Der Art und Weise,
in welcher Thomas 3 zeigt, wie der Engelgeist von einem Orte
im Raume zu einem entfernten anderen ohne Durchschreitung
aller Medien zwischen beiden gelangen könne, zollt Niphus
seine vollste Bewunderung.
So sehen wir die averroistische Bewegung auf psychologischem
Gebiete im Bereiche der christlichen Peripatetik schliesslich
an demjenigen Punkte anlangen, bei welchem sie der Natur der
Sache nach anlangen musste, wenn der christliche Gedanke sein
Recht behaupten sollte. Die beiden geschichtlichen Grenzpunkte
1 Aristoteles enim contra antiquos 4 Physic. ait: Licet omne quod est in
loco, sit ens, non tarnen omne ens est in loco. Ibid.
2 Per mutationem subitam, quomodo si daretur vacumn, grave fierit deorsum.
Ibid.
3 Snfficiat nobis dicere aniniam non esse in loco per hoc quod continetur
a loco, sed potius quia virtute sua illam continet, sic movetur non per
boc quod ipsa successive commensuretur loco, sed per hoc quod successive
sua virtute di versa loca tangit. Ibid.
4 1 qu. 53, art. 2.