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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  iu  der  christlicb-peripatetischen  Peychologie.

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dass  man  nicht  bei  den  in  den  aristotelischen  Büchern  beigebrachten ­
  oder  angedeuteten  Argumenten  stehen  zu  bleiben
habe,  dass  hier  vielmehr  alle  anderen  grossen  Denker,  die  etwas
Bedeutsames  über  die  Seelenunsterblichkeit  geäussert  haben,
in  Betracht  kommen,  vor  allen  ein  Plato  in  mehreren  seiner
Schriften,  ein  Jamblichus, 1  Porphyrius, 2  Alcinous, 3  Plotinus, 4
Hermes,  Xenophon,  Kleanthes,  Chrysippus,  Zeno  von  Cittium
u.  s.  w.  und  endlich  auch  Avicenna. 5  Die  selbsteigene  Beweisführung ­
  des  Niphus  ist  auf  Gedanken  gestützt,  die,  wie  er  selbst
angibt,  theils  aus  Aristoteles,  tlieils  aus  den  Platonikern  geschöpft ­
  sind.
Nach  dem  Dafürhalten  des  Pomponatius  lässt  sich  nicht
erklärlich  machen,  wie  die  Seele  nach  ihrer  Trennung  vom
Leibe  das  während  der  Vereinigung  mit  demselben  stattgehabte
Denkleben  sollte  fortführen  können;  sie  müsste  den  mit  ihrem
Wesen  gegebenen  Denkmodus  vollständig  ändern,  und  jenen
der  körperlosen  himmlischen  Intelligenzen  annehmen.  Nach
Niphus  braucht  keine  Aenderung  des  Denkmodus  stattzuhaben,
da  der  für  das  künftige  Leben  der  Seele  zu  postulirende  Denkmodus ­
  kein  anderer,  als  jener  ihres  gegenwärtigen  Lebens  ist.
Der  Seele  ist  für  ihr  gegenwärtiges  und  zukünftiges  Leben
diess  gemein,  dass  sie  die  Dinge  insofern  erkennt,  als  dieselben
actu  sind;  dieses  Erkennen  ist  aber  sowohl  im  diesseitigen

stitutam,  ejus  tarnen  Operationen!  non  esse  igueam,  quia  est  anima  secundum
  quid  separata;  quodsi  anima  simpliciter  erit  in  corpore  independens,
ipsa  cum  eo  mori  non  poterit.
1  De  mysteriis,  c.  9.
2  De  occasionibus,  capp.  13'  14.
3  De  phautasia  et  intellectu,  c.  25.
4  Enuead.  IV.
5  Avicenna  probavit,  iminortalitatem  compluribus  argumentis  in  sexto  suorum
  naturalium  libro;  potissimum,  quia  si  rationalis  anima  corrumpitur,
aut  corrumpitur  aliquo  agente  in  ipsam,  illam  corrumpendo,  aut  ipsa  per
se  corrumpitur  dissolutis  iis  ex  quibus  ipsa  in  se  constat,  aut  corrumpitur ­
  ob  materiae  potentiam,  aut  denique  corrumpitur  corpore  corrupto.
Non  corrumpitur  primo  modo,  alioquin  sibi  esset  aliquid  contrarium;  nec
secundo  modo,  cum  ipsa  simplex  sit;  nec  tertio  modo,  nain  tune  corrumperetur
  ut  ceterae  formae,  et  ita  saltem  contrarium  haberet  secundum  qualitates;
  nec  quarto  modo,  quia  tune  nullam  haberet  praeter  suum  corpus
operationem.  Anima  ergo  immortalis  est.  O.  c.,  c.  46.
            
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