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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

welche  Gott  selber  selig  ist,  trage  der  Mensch  kein  natürliches
Verlangen  in  sich.  Niphus  beweist  das  Vorhandensein  eines
solchen  Verlangens  aus  dem  Vorhandensein  einer  wenigstens
dunklen  Erkenntniss  des  Bonum  summum  Gottes  und  der  höheren
Intelligenzen;  einem  in  der  menschlichen  Natur  begründeten
Verlangen  könne  die  Erfüllung  nicht  versagt  sein,  und  es
liege  etwas  tief  Wahres  in  dem  Ausspruche  des  Averroes,  dass
es  auch  in  dieser  Erdenwelt  an  seligen  Menschen  nicht  fehle,
die  wenn  auch  in  noch  so  geringer  Zahl  eine  durch  keine
Zwischenzeit  unterbrochene  Reihe  von  Menschenindividuen
bilden,  in  welchen  die  von  der  Natur  geforderte  Vollkommenheit ­
  der  Menschenspecies  sich  darstelle.  Die  heilige  Geschichte
stelle  uns  solche  Selige  in  den  Personen  eines  Moses,  Christus,
Paulus  und  vieler  Anderer  dar;  das  heidnische  Alterthum  hat
heroische  Männer  und  Frauen  für  solche  Selige  auf  Erden
gehalten  und  sie  desshalb.  nach  ihrem  Tode  unter  die  Götter
versetzt.  Niplins  will  nicht  verkennen,  dass  Averroes  und  andere
Peripatetiker  den  Unterschied  zwischen  dem,  was  wesentlich,
und  was  per  accidens  zur  Vollkommenheit  der  Welt  gehöre,
sich  nicht  klar  gemacht  haben;  wenn  also  Averroes  das  Vorhandensein ­
  von  Seligen  auf  Erden  als  eine  natürliche  Nothwendigkeit
  ansieht,  so  ist  er  eben  so  sehr  im  Irrthum,  als
wenn  er  behauptet,  dass  selige  Menschenindividuen  nur  der
irdischen  Diesseitigkeit  angehören  können.  Hierin  stimmen
ihm  andere  Peripatetiker  nicht  bei,  welche  letztere  aber  freilich
auch  ihrerseits  irren,  wenn  sie  ein  Seligsein  in  diesem  Leben
zur  nothwendigen  Vorbedingung  des  Seligseins  im  Leben  nach
dem  Tode  machen.  Den  in  diesem  Leben  zu  erlangenden
Intellectus  speeulativus  zu  dieser  Vorbedingung  zu  machen,
geht  schon  desshalb  nicht  an,  weil  hiemit  die  eine  Hälfte
der  Menschheit,  das  Frauengeschlecht,  von  der  Seligkeit  ausgeschlossen ­
  bliebe. 1  Niphus  glaubt  also  eine  andere  Vorbedingung
urgiren  zu  müssen,  nämlich  die  Reinigung  der  Anima  rationalis
von  den  durch  die  Sensitiva  in  sie  hineingetragenen  Trübungen;
in  Kraft  einer  solchen  Reinigung,  welche  durch  die  heroischen
1  Niphus  bezieht  sich  hiefiir  speciell  auf  Aristot.  Politic.  I,  p.  1260  a,
lin.  12  ff.:  o  p.ev  yap  ooüXo;  oXa>?  ouz  iyei  ro  ßouXeuTi/.ov,  to  o£  OfjXu  £yjt
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