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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

dass  das  Phantasma  des  Anderen  neben  Sokrates  den  Intellect
jenes  Anderen  zu  derselben  Intellection  sollicitirt,  zu  welcher
das  Phantasma  des  Sokrates  den  Intellect  des  Sokrates  sollicitirt
—  oder  dadurch,  dass  das  Phantasma  des  Anderen  eine  andere
Intellection  neben  der  im  Denken  des  Sokrates  vorhandenen
hervorruft.  Diese  andere  Intellection  könnte  abermals  gedacht
werden  entweder  als  eine  solche,  welche  mit  der  in  Sokrates
bereits  vorhandenen  sich  zusammenschliesst,  oder  aber  mit  derselben ­
  sich  nicht  zusammenschliesst.  Schliesst  sie  sich  mit  derselben ­
  zusammen,  so  wird  hiedurch  die  Intellection  des  Sokrates
verstärkt  und  vervollkommnet,  was  der  Erfahrung  widerstreitet
und  an  sich  widersinnig  ist;  schliesst  sie  sich  mit  der  Intellection ­
  des  Sokrates  nicht  zusammen,  so  sind  zwei  numerisch  verschiedene ­
  Intellectionen  vorhanden.  Lässt  man  aber  —  fährt
Gregor  weiter  —  die  erste  Alternative  in  Geltung  treten,  dass
nämlich  das  Phantasma  eines  Anderen  neben  Sokrates  den  lutellect
  jenes  Anderen  zu  derselben  Intellection  sollicitirt,  welche
das  Phantasma  des  Sokrates  im  Intellecte  des  Sokrates  hervorruft, ­
  so  lässt  sich  dies  abermals  in  zweierlei  Weise  denken;
entweder  so,  dass  das  Phantasma  des  Anderen  die  im  Intellecte
des  Sokrates  vorhandene  Intellection  ad  esse  producirt,  was
unmöglich  ist,  weil  das  schon  Seiende  nicht  erst  werden  kann,
oder  so,  dass  die  Intellection  des  Sokrates  durch  das  Phantasma ­
  des  Anderen  zur  Intellection  des  Anderen  gemacht  wird,
und  dies  will  Averroes  selber  nicht  zugeben,  weil  für  diesen
Fall  weder  Phantasma  und  Intelleetus  agens  des  Anderen  wahrhafte ­
  Agentien,  noch  sein  Intelleetus  possibilis  ein  wahrhaftes
Patiens  wäre,  indem  nicht  etwas  schlechthin  Neues  im  Zusammenwirken ­
  derselben  hervorgebraoht  würde.  Denn  hiedurch,  dass
in  der  Intellection  etwas  Neues  hervorgebracht  werden  soll,
Avas  nicht  schon  in  der  Essenz  des  Intellectes  als  solchen  liegt,
soll  sich  die  Ansicht  des  Averroes  von  jener  des  Themistius
unterscheiden.  Aus  der  Differenz  jedoch,  welche  die  averroistische
  Auffassung  der  Unitas  intelleetus  von  jener  des  Themistius
  unterscheidet, 1  könnte  nach  Niphus’  Dafürhalten  ein  stricter

1  Averroes  —  bemerkt  Niplius  0.  c.,  p.  639  —  non  asserit  intellectum
intelligere  lapidem  intellectione,  quae  est  essentia  intelleetus,  sed  intellectione,
  quae  est  lapis  apprehensus;  Themistius  vero  asserit,  intellectum
            
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