Der Averruismus in der christlich-peripatetischen Psychologie.
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passivus heisst, Forma informans sein soll, so ist und bleibt
der Mensch in die Reihe der blossen Sinnenwesen gewiesen,
da, wie oben schon hervorgehoben wurde, die Cogitatio über
den Bereich des blos Sensiblen nicht hinausreicht. Der Intellect
steht in einem blos accidenteilen Verhältniss zum menschlichen
Individuum, der Mensch wäre sonach nur accidenteller
Weise ein intellectives Wesen.
Was ist nun aber die eigentliche Meinung des Averroes?
Niphus verzweifelt daran, sie entdecken zu können; den Aeusserungen
des Averroes über die intellective Seele lasse sich, wie
man sie immer fassen möge, kein Gedanke abgewinnen, welcher
nicht irgendwie einen Widerspruch in sich schlösse oder auf
eine philosophische Unmöglichkeit hinführte. Seine Behauptung
einer numerischen Identität aller menschlichen Intellecte hat
gewisse Anhaltspunkte in der aristotelischen Doctrin, 1 obwohl
sie von Aristoteles nirgends förmlich aufgestellt wurde. Auffallend
ist aber immerhin, dass auch griechische Ausleger, ein
Theophrast, Themistius und Simplicius den Aristoteles in diesem
Sinne verstanden; und es ist keineswegs so leicht, das Gegentheil
der averroistischen Lehre de unitate intellectus mit zwingenden
Gründen zu erweisen. Dem Gregor von Rimini, 2 einem
nach dem Urtheile des Niphus sehr scharfsinnigen Manne, ist
es nicht gelungen. Nach Gregor müsste, wenn es nur Einen
Menschenintellect gäbe, auch die Intellection eines bestimmten
Objectes in allen Menschen numerisch eine und dieselbe sein,
und würde eine numerische Vielheit nur in Bezug auf die individuellen
Phantasmen statthaben, welche in den Bereich der Intellection
hinaufgehoben werden sollen. Daraus würde nun folgen,
dass, wenn irgend ein Mensch, z. B. Sokrates, einen Stein intellectiv
begriffen hätte, kein anderer Mensch die Intellection
dieses Steines haben könnte, so lange dieselbe im Denken des
Sokrates fortdaüert. Sollte er sie dennoch haben können, so
wäre dies nur in zweifacher Weise denkbar: entweder dadurch,
1 Averroes hanc rem per conjecturam aceepit ex quibusdam verbis Aristotelis
12 Metaph., tibi asseruit in bis, quae a materia non dependent, non
esse nisi unum numero in sua speeie; quia vero patet apud Aristotelem
intellectum a materia non dependere, hiuc Averroes conjecturabiliter
credidit unitatem intellectus. 0. c., p. 638.
2 Vgl. Gregor. Arim. Comm. in Sentt. II, qq. 16 et 17.