Der Averroismus in der chiistlich-poripatetischen Psychologie.
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Vorhalten der Paduaner Schule herbei, welche sich am lebendigsten
in der Person des Augustinus Niphus (1473—1546) spiegelt.
Niphus war aus Vernia’s Schule hervorgegangen, 1 und hatte
seine schriftstellerische Laufbahn mit einer Schrift de intellectu
et daemonibus begonnen, in welcher er die numerische Einheit
des Intellectes aller Menschen vertrat, und zu beweisen suchte,
dass es ausser den die Rimmelskreise bewegeftden Intelligenzen
und dem numerischen Einen Menschenintellecte keine anderen
subsistenten Geistwcseu gäbe. Das ärgerliche Aufsehen, welches
durch diese Schrift, namentlich durch die geringschätzige Behandlung,
welche in derselben einem Albertus und Thomas
Aquinas widerfuhr, hervorgerufen wurde, veraulasste ihn, für
künftighin besonnener vorzugehen; ohne seine averroistischen
Studien und Neigungen aufzugeben, ermässigte er jedoch seine
auf dem Grunde derselben stehenden Ueberzeugungen, hielt
auch seinen Sinn offen für die allgemeinen Vorgänge im geistigen
Leben des damaligen Italiens, und machte sich die hiebei
gemachten Wahrnehmungen zu Nutzen für seine cominentatorischen
Arbeiten über die Schriften des Aristoteles und
Averroes. Als Herausgeber der Werke des Averroes lenkte er
die Beschäftigung mit demselben auf das inoffensive Gebiet der
kritisch-gelehrten Arbeit, worin sich ihm M. A. Zimara (f c. a.
1532) und andere Vertreter der Paduaner Schule 2 anschlossen.
Allerdings leisteten diese Arbeiten einem verlängerten Bestände
der Paduaner Schule Vorschub, aber doch wohl nur deshalb,
weil Männer von selbstständigerem Geiste, wie ein Cäsalpinus,
Zabarella, Cremonini einem Zeitalter angehörten, dessen philosophische
Bestrebungen noch gemeinhin auf dem Grunde der
aus dem Alterthum ererbten Ueberlieferungen standen. Uebrigens
sind die genannten drei letzten Vertreter der Paduaner Schule auf
dein Gebiete der Psychologie keineswegs Averroisten; eher dürfte
bei Zabarella und Cremonini an eine Nachwirkung des Alexander
Aphrodisias gedacht werden, und Cäsalpini ist auf dem Gebiete
der Seelenlehre insgemein mehr Platoniker als Aristoteliker.
Die Zuversichtlichkeit und Kühnheit, mit welcher der
Averroismus der Paduaner Schule in der ersten Epoche des
1 Niplms gedenkt dieses seines Lehrers in seiner Schrift de iramortalitate
animae c. 66 (siehe unten S. 313, Anm. 2).
2 Siehe Renan pp. 372 ff.
Sitzungsber. d. pbil.-hist. CI. XCVIII. Bd. I. Hft, 19