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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  in  der  chiistlich-poripatetischen  Psychologie.

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Vorhalten  der  Paduaner  Schule  herbei,  welche  sich  am  lebendigsten ­
  in  der  Person  des  Augustinus  Niphus  (1473—1546)  spiegelt.
Niphus  war  aus  Vernia’s  Schule  hervorgegangen, 1  und  hatte
seine  schriftstellerische  Laufbahn  mit  einer  Schrift  de  intellectu
et  daemonibus  begonnen,  in  welcher  er  die  numerische  Einheit
des  Intellectes  aller  Menschen  vertrat,  und  zu  beweisen  suchte,
dass  es  ausser  den  die  Rimmelskreise  bewegeftden  Intelligenzen
und  dem  numerischen  Einen  Menschenintellecte  keine  anderen
subsistenten  Geistwcseu  gäbe.  Das  ärgerliche  Aufsehen,  welches
durch  diese  Schrift,  namentlich  durch  die  geringschätzige  Behandlung, ­
  welche  in  derselben  einem  Albertus  und  Thomas
Aquinas  widerfuhr,  hervorgerufen  wurde,  veraulasste  ihn,  für
künftighin  besonnener  vorzugehen;  ohne  seine  averroistischen
Studien  und  Neigungen  aufzugeben,  ermässigte  er  jedoch  seine
auf  dem  Grunde  derselben  stehenden  Ueberzeugungen,  hielt
auch  seinen  Sinn  offen  für  die  allgemeinen  Vorgänge  im  geistigen ­
  Leben  des  damaligen  Italiens,  und  machte  sich  die  hiebei
gemachten  Wahrnehmungen  zu  Nutzen  für  seine  cominentatorischen
  Arbeiten  über  die  Schriften  des  Aristoteles  und
Averroes.  Als  Herausgeber  der  Werke  des  Averroes  lenkte  er
die  Beschäftigung  mit  demselben  auf  das  inoffensive  Gebiet  der
kritisch-gelehrten  Arbeit,  worin  sich  ihm  M.  A.  Zimara  (f  c.  a.
1532)  und  andere  Vertreter  der  Paduaner  Schule  2  anschlossen.
Allerdings  leisteten  diese  Arbeiten  einem  verlängerten  Bestände
der  Paduaner  Schule  Vorschub,  aber  doch  wohl  nur  deshalb,
weil  Männer  von  selbstständigerem  Geiste,  wie  ein  Cäsalpinus,
Zabarella,  Cremonini  einem  Zeitalter  angehörten,  dessen  philosophische ­
  Bestrebungen  noch  gemeinhin  auf  dem  Grunde  der
aus  dem  Alterthum  ererbten  Ueberlieferungen  standen.  Uebrigens
sind  die  genannten  drei  letzten  Vertreter  der  Paduaner  Schule  auf
dein  Gebiete  der  Psychologie  keineswegs  Averroisten;  eher  dürfte
bei  Zabarella  und  Cremonini  an  eine  Nachwirkung  des  Alexander
Aphrodisias  gedacht  werden,  und  Cäsalpini  ist  auf  dem  Gebiete
der  Seelenlehre  insgemein  mehr  Platoniker  als  Aristoteliker.
Die  Zuversichtlichkeit  und  Kühnheit,  mit  welcher  der
Averroismus  der  Paduaner  Schule  in  der  ersten  Epoche  des
1  Niplms  gedenkt  dieses  seines  Lehrers  in  seiner  Schrift  de  iramortalitate
animae  c.  66  (siehe  unten  S.  313,  Anm.  2).
2  Siehe  Renan  pp.  372  ff.
Sitzungsber.  d.  pbil.-hist.  CI.  XCVIII.  Bd.  I.  Hft,  19
            
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