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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

Denkprobleme  nicht  ausreicht,  und  in  Folge  dessen  auch  die
thomistische  Anthropologie  an  gewissen  Mängeln  leidet,  über
welche  indess  innerhalb  des  Bereiches  der  peripatetischen
Grundanschauungen  nicht  hinauszukommen  war,  daher  die  von
scholastisch-peripatetiseher  Seite  her  erfolgende  Reaction  gegen
die  thomistische  Anthropologie  weit  mehr  einer  Abirrung  von
der  durch  Thomas  richtig  angegebenen  allgemeinen  Grundrichtung ­
  in  Fassung  des  anthropologischen  Problems,  als  einer
Verbesserung  dieser  Fassung  gleichkam.  So  verhält  es  sich  mit
der  scotistischen,  so  mit  der  von  den  christlichen  Averroisten
versuchten  Kritik  der  thomistischen  Anthropologie;  mit  der
averroistischen  Kritik  berührt  sich,  allerdings  nur  von  einer
gewissen  Seite  her,  die  Günther’sche,  sofern  bei  dieser  das  an
sich  berechtigte  Dringen  auf  Anerkennung  des  Selbstlebens
der  sinnlichen  Naturseite  des  Menschenwesens  zu  einem  unvermittelten, ­
  oder  doch  nicht  genügend  vermittelten  Dualismus
zwischen  ,Geist“  und  ,Natur“  hindrängt;  selbst  die  von  Günther
der  menschlichen  ,Physis“  zugesprochene  relative  Denkfähigkeit
lässt  eine  Vergleichung  mit  der  von  Averroes  dem  sinnlichen
Menschenindividuum  zugeschriebenen  Cogitativa  zu.  Daneben
ist  nun  allerdings  nicht  der  durchgreifende  Unterschied  zu  übersehen, ­
  welcher  Günthers  Anthropologie  von  der  averroistischen
dadurch  scheidet,  dass  der  geschöpfliche  Menschengeist  als  eine
von  der  göttlichen  Wesenheit  qualitativ  verschiedene  Wesenheit, ­
  als  concretes  persönliches  Sein  und  als  selbstiges  Princip
der  menschlichen  Persönlichkeit  erfasst  wird,  dass  ferner  mit
so  entschiedenem  Nachdruck  auf  das  über  den  im  Naturleben
sich  darstellenden  Gegensatz  vom  Allgemeinen  und  Besonderen
hinausliegende  Wesen  des  Geistes  als  concreter  Selbstigkeit
hingewiesen,  und  dass  endlich  der  Mensch,  der  in  der  averroistischen ­
  Anschauung  zufolge  der  förmlichen  Negirung  seiner
Wesenseinheit  nicht  einmal  den  Charakter  eines  Bindegliedes
zwischen  geistiger  und  sinnlicher  Welt  mehr  in  Wahrheit  behaupten ­
  kann,  als  Schluss-  und  Bindeglied  der  Gesammtschöpfung
  mit  Entschiedenheit  in  den  Mittelpunkt  der  philosophischen ­
  Weltbetrachtung  gerückt  wird.  Eben  diese  centrale
Stellung  des  Menschen  im  Weltganzen  hätte  aber  Günther
darauf  hinlenken  sollen,  den  specifischen  Unterschied  des  intellectiven
  Principes  und  Kernes  der  menschlichen  Persönlichkeit
            
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