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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

Islam  nalielegte.  Er  behielt  den  unvermittelten  Dualismus  zwischen ­
  Gott  und  einer  ewigen  Materie  bei,  und  substituirte  dem
Paradiese  Muhameds  ein  aus  dem  göttlichen  Urwesen  emanirtes
Reich  himmlischer  Intelligenzen,  welche  er  als  Beweger  oder
Seelen  der  Himmelssphären  ansah;  die  unterste  jener  Intelligenzen ­
  wurde  ihm  zur  allgemeinen  Menschenseele,  durch  welche
in  dem  hiefür  disponirten  Theile  der  sinnlichen  Menschenindividuen ­
  der  wahrhafte  Mensch  actuirt  wird,  der  aber  als  solcher
nicht  der  zeitlichen  Erdenwirklichkeit,  sondern  der  himmlischen
Idealwelt  angehört.  Die  persönliche  Unsterblichkeit  muss  im
Denkzusammenhange  des  averroistischen  Systems  nicht  nur
dem  für  die  vergeistigenden  Einwirkungen  des  Intellectus  agens
nicht  empfänglichen  Theile  der  Menschenindividuen  abgesprochen ­
  werden,  sondern  auch  dem  dafür  empfänglichen,  da
das  Substrat  der  Seelenfortdauer,  die  persönliche  Selbstheit
fehlt.  Wenn  Jandunus  und  andere  christliche  Averroisten  die
Seelenunsterblichkeit  durch  Verwerfung  des  averroistischen
Monopsychismus  retten  zu  können  glaubten,  so  verkannten  sie
den  innigen  Zusammenhang  desselben  mit  der  Gesammtanschauung
  des  Averroes  —  ein  Versehen,  das  demjenigen  unbegreiflich ­
  erscheinen  muss,  welcher  sich  nicht  in  den  jenes  Zeitalter ­
  absolut  beherrschenden  peripatetischen  Denkhabitus  hineinzuversetzen ­
  weiss.
Es  ist  in  neuerer  Zeit  von  Seite  A.  Günthers  die  Ansicht
ausgesprochen  worden,  dass  die  auf  peripatetischen  Grundlagen
ruhende  thomistische  Lehre  latenter  Pantheismus  sei.  Zur  Bestätigung ­
  hiefür  wurde  auf  den  speculativen  Gottesbegritf  des
Thomas  Aquinas  hingewiesen,  welchem  zufolge  Gott  als  die
absolute  Allheit,  die  Weltdinge  sonach  als  Emanationen  aus
Gott  zu  fassen  seien.  Wir  unsererseits  glauben,  dass  der  Begriff ­
  Gottes  als  der  absoluten  Allheit  ein  denknothwendiger
Begriff  sei,  der  die  in  ihn  gelegten  Consequenzen  nicht  zulässt,
wofern  die  absolute  Allheit  zugleich  als  die  absolute  Geistigkeit,
die  jede  Art  von  Theilung  ausschliesst,  gefasst  wird.  Bekanntlich ­
  ist  der  Grundcharakter  des  antiken  Aristotelismus  nicht
Pantheismus,  sondern  unvermittelter  Dualismus;  die  pantheisirenden
  Elemente  sind  in  den  Aristotelismus  durch  die  Verbindung ­
  desselben  mit  neuplatonischen  Anschauungen  hineingetragen ­
  worden,  welche  sich  auch  in  der  averroistischen
            
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