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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  io  der  chriBtlich-peripatetischen  Pnychologie.

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Erkennen  wird  zum  Erkennen  des  durch  ihn  vollkommen  informirten
  Intellectus  possibilis.
Wir  wollen  uns  nicht  bei  dem  auch  Jandun  sich  aufdrängenden
  Widerspruche  aufhalten,  der  darin  besteht,  dass
der  Intellectus  agens,  der  doch  nach  den  früher  gegebenen
Erklärungen  eine  Prima  perfectio  hominis  ist,  erst  nachträglich
sich  als  Form  des  Intellectus  possibilis  actuirt;  man  kann
immerhin  eine  nachträgliche  active  Selbstformation  des  ursprünglich ­
  in  seiner  substanziellen  Integrität  vorhandenen  Intellectes
zulassen.  Nur  ist  diese  Selbstformation  des  Intellectes  nicht
eine  Selbstformation  des  denkhaften  inneren  Seelenmenschen,
dessen  persönliches  Selbstsein  im  Denkzusammenliange  der  averroistischen
  Doctrin  überhaupt  gar  keine  Stelle  hat,  sondern
eine  Versetzung  des  individuellen  Menschenseins  aus  sich  selbst
heraus  in  die  Region  des  ausschliesslich  im  Elemente  der  Allgemeinheit ­
  thätigen  Intellectus  agens,  dessen  Bestimmung  als
unterster  der  aus  dem  göttlichen  Urwesen  emanirten  himmlischen ­
  Intelligenzen  nur  diese  sein  kann,  das  der  terrestrischen ­
  Region  angehörige  menschliche  Individualdenken  über
sich  selbst  hinauszuheben,  und  die  in  demselben  vorhandenen
Erkenntnissansätze  in  die  dem  individuellen  Menschen  als
solchem  nicht  erreichbaren  Allgemeingedanken  und  Wqsensgedanken
  umzusetzen.  Jandunus  rügt  an  Thomas  die  Depression
des  Intellectus  agens  zu  einer  dem  Individualmensehen  als
solchem  eignenden  Erkenntnisspotenz  als  ungerechtfertigte  Einschränkung ­
  und  Verengerung  der  geistigen  Erkenntnisskratt
des  Menschen;  aber  bei  Jandunus  gehört  diese  Kraft  dem  Menschen ­
  nur  nominell  an,  in  Wahrheit  ist  es  ein  Anderer,  der
im  Menschen  intellectiv  denkt,  lind  selbst  das  Substrat  und
Vehikel  dieser  intellectiven  Denkthätigkeit,  den  Intellectus  materialis
  oder  possibilis,  schafft.  Die  Verchristlichung  des  Aristoteles, ­
  d.  h.  die  Adaptation  der  aristotelischen  Psychologie  für
die  rationale  Darlegung  des  christlichen  Seelenbegriffes  konnte,
so  lange  der  geschöpfliche  Geist  nicht  als  concrete  Selbstigkeit
erfasst  war,  nur  in  der  von  Albert  und  Thomas  ins  Werk  gesetzten ­
  Weise  sich  vollziehen,  während  Averroes  dem  aristotelischen ­
  Systeme  jene  Gestaltung  gab,  welche  ihm  seine  Herkunft ­
  aus  dem  Muhamedanismus  und  der  Widerstreit  seines
philosophischen  Bewusstseins  mit  der  Religionsanschauung  des
            
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