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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  in  der  christlich-peripatetischen  Psychologie.

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halte  oder  wenigstens  sich  selber  nicht  zutraue. 1  Denn  die
Beweisgründe  für  einen  zeitlichen  Anfang  der  Wesensformen
passen  nur  auf  die  inhärenten  d.  i.  am  Stoffe  haftenden  Formen,
nicht  aber  auf  jene,  welche  wie  die  intellective  Menschenseele
in  sich  selber  subsistiren.  Der  averroistische  Spruch:  Omne
compositum  cum  materia  est  novum,  beweist  nichts  für  den
zeitlichen  Anfang  der  Menschenseele,  da  diese  Novitas  nicht
nothwendig  auf  das  substanzielle  Sein  zu  beziehen  ist,  sondern
auch  von  einem  zur  Substanz  hinzukommenden  Accidens  verstanden ­
  werden  kann. 2
Fragen  wir  nach  dem  Motive,  welches  Janduns  Denken
ihm  selber  unbewusst  so  unwiderstehlich  an  Averroes  fesselte,
so  wissen  wir  kein  anderes  zu  entdecken,  als  das  innerlichst
empfundene  Bedürfniss,  die  intellective  Menschenseele  wahrhaft
als  Geist  zu  denken.  Dies  schien  nur  unter  Voraussetzung  des
von  Averroes  gelehrten  anthropologischen  Dualismus  möglich,
daher  sich  Jandunus,  wie  schon  früher  Aureolus,  fast  nur  widerstrebend ­
  der  kirchlichen  Lehrformel  von  der  menschlichen
Seele  als  unmittelbarer  Wesensform  des  Menschenleibes  fügte.
Dieser  nach  Janduns  Dafürhalten  dem  menschlichen  Vernunftdenken ­
  sich  so  nahe  legende  Dualismus  war  eine  relative  Anticipation
  des  Cartesischen  Dualismus  zwischen  Geist  und  Körper,
nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  im  physikalischen  Realismus
der  Cartesischen  Weltlehre  die  vom  menschlichen  Intellectivprincip
  unterschiedene  Sinnenseele  entfiel,  und  der  Geist  selber
unmittelbar  als  individueller  Träger  der  menschlichen  Persönlichkeit ­
  gefasst  wurde  —  freilich  nicht  im  Sinne  einer  Wesensform, ­
  deren  Begriff  im  Cartesischen  System  gemeinhin  entfiel
oder  doch  nur  nominell  beibehalten  wurde.  Jedenfalls  waren
aber  die  Anhänger  des  Cartesischen  Dualismus  der  Meinung,
dass  durch  denselben  der  den  Scholastikern  des  späteren  Mittel-1

  Quod  si  quis  demonstrare  sciat  et  principiis  philosophorum  concordare,
gaude.it  in  illo,  et  ego  ei  non  invideo,  sed  eum  dico  meain  capacitatem
excellere.  L.  c.  fol.  92,  2.  F.
2  Anima  intellectiva  humana  est  nova  quantum  ad  intelligere  et  quantum
ad  species,  quas  de  novo  recipit,  quas  prius  easdem  numero  non  habebat;
et  lioc  sufficit  ad  iuteutionem  Commentatoris,  ubi  arguit  contra  illos,  qui
dixerunt,  trinitatem  et  compositionem  esse  in  ipso  Deo,  quia  sic  oporteret
quod  esset  aliquid  novum  aliquo  modo.  L.  c.  fol.  92,  1.  H.
            
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