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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismun  in  der  cliriBtlich-peripatetißchen  Psychologie.

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sion  kein  Gegenstand  logistischer  Demonstration;  denn  alle
demonstrative  Erweisung  vollzieht  sich  mittelst  Subsumtion  des
Besonderen  unter  das  Allgemeine,  das  persönliche  Sein  aber
ist  als  untheilbare  und  unzertrennliche  Ineinsbildung  des  Allgemeinen ­
  und  Singulären  etwas  über  die  Differenz  zwischen  Allgemeinem ­
  und  Besonderem  seiner  Natur  nach  Hinausgestelltes,
somit  einem  in  dem  Gegensätze  von  Form  und  Stoff,  Allgemeinem ­
  und  Besonderem  befangenen  Denken  nicht  Erreichbares. ­
  Jandunus  geht  noch  einen  Schritt  weiter,  und  gibt  ganz
deutlich  zu  verstehen,  dass  dem  sogenannten  natürlichen,  d.  h.
auf  peripatetischem  Boden  stehenden  Denken  die  averroistische
Lehre  von  der  numerischen  Einheit  des  Intellectes  aller  Menschen ­
  näher  liege,  als  die  entgegengesetzte  Lehre  von  der
numerischen  Vielheit  der  Intellecte. 1  Er  unterscheidet  sich
hierin  wesentlich  von  Aureolus  und  Baconthorp,  welche  den
berichtigten  und  verchristlichten  Averroes  mit  dem  christlichkirchlichen ­
  Glaubensbewusstsein  in  Einklang  zu  bringen  bemüht
waren,  und  gehört  geistig,  wie  Renan 2  richtig  bemerkt,  der
Paduaner  Schule  an,  deren  philosophische  Denkrichtung  von
Petrus  de  Abano  und  Marsilius  angefangen  ein  unverholen
ausgesprochener  Averroismus  war.
Als  wesentliche  Momente  der  averroistischen  Lehre  von
der  numerischen  Identität  aller  menschlichen  Intellecte  hebt
Jandunus  hervor:  das  Zusammenfallen  der  Häcceität  des  Intellectes ­
  mit  der  Quiddität  desselben,  die  primär  auf  die  Verbindung ­
  mit  der  Menschennatur  im  Allgemeinen  und  abgesehen
von  deren  Individuirungen  gerichtete  Inclination  desselben.
Man  hat  nun  gegen  Averreos  bemerkt:  Er  sage  ausdrücklich,
dass  der  Intellect  die  Perfectio  prima  der  Menschennatur  sei;
da  nun  das  actuelle  Intelligere  oder  die  Perfectio  secunda,  die
in  jedem  Einzelnen  eine  andere  sei,  ganz  und  gar  auf  dem
Grunde  der  Perfectio  prima  stehe,  so  müsse  auch  diese  in  jedem
1  Dico  quod  intellectus  non  est  uuus  numero  in  Omnibus  kominibus  .  .  .
hoc  autem  non  probo  aliqua  ratione  demonstrativa,  quia  hoc  non  scio
esse  possibile,  et  si  quis  hoc  sciat,  gaudeat.  Istam  autem  conclusionem
(seil,  de  numeratione  intellectuum  secundum  numerationem  corporiun  liumanorum)
  assero  simpliciter  esse  veram  et  indubitanter  teneo  sola  fide.
0.  c.  III,  qu.  8,  fol.  G6,  1.  C.
2  Averroes  et  1’  Averroisme  (Paris  1866,  3.  ed.),  S.  339.
            
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