Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  in  der  cbrifitlich-peripatetinchen  Psychologie.

255

liehen  Seins  auf  das  göttliche  als  Causa  finalis,  efficiens  und
fonnalis  des  creatürlichen  Seins,  demzufolge  die  Creatur  wahrhaft ­
  nur  aus  Gott  verstanden  werden  kann.  Dass  die  primitive ­
  Apperception  des  Göttlichen  mit  den  in  unsere  Seele  geworfenen ­
  Sinnesbildern  der  sichtbaren  Dinge  gegeben  sei,  wird
aus  Averroes  erhärtet, 1  mit  welchem  Baconthorp  zugleich  daran
festhält,  dass  die  auf  Grund  dieser  Art  von  Apperception  zu
erlangende  Kenntniss  des  Göttlichen  die  einzige  sei,  welche
wir  im  Leben  dieser  Zeit  auf  natürlichem  Wege  erlangen
können.  Averroes  entwickelt  seine  Gedanken  hierüber  aus
Anlass  einer  von  Aristoteles  in  seiner  Schrift  de  anima  aufgeworfenen ­
  aber  nicht  beantworteten  Frage, 2  ob  der  an  das
Zusammensein  mit  dem  sinnlichen  Leibe  gebundene  menschliche ­
  Intellect  auch  rein  geistige  Realitäten  zu  erfassen  vermöge. ­
  Alexander  Aphrodisias,  Themistius,  Avempace  bejahten
diese  Frage,  jeder  aus  anderen  Gründen.  Themistius  meinte,
da  der  Intellectus  materialis  die  Formen  sogar  aus  der  Materie
zu  abstrahiren  vermöge,  so  müsse  er  umsomehr  im  Stande
sein,  die  reinen  Formwesen  zu  erkennen.  Alexander  glaubte,
der  Intellectus  in  habitu  müsse,  wie  jedes  andere  Ens  generatum,
letztlich  am  Endpunkte  seiner  Entwicklung  ankommen,  welcher
kein  anderer  sein  könne,  als  dieser,  dass,  wie  der  Intellectus
agens  alles  potentiell  Intelligible  was  immer  für  einer  Art  in
ein  actu  Intellectum,  so  der  habituelle  Intellect  alles  actu
Intelligible  was  immer  für  einer  Art  in  ein  actu  Intellectum
umsetze.  Averroes  bemerkt  dawider,  dass  Abstractes  und
nicht  Abstractes  mit  Rücksicht  auf  das  Können  des  Intellectes
nicht  unter  den  gloichcn  Gesichtspunkt  falle,  da  man  das
Imaginari  vom  Vorstellen  der  materiellen  und  geistigen  Dinge
nicht  univoce  aussagen  könne.  Hiemit  ist  mittelbar  auch  schon
die  Ansicht  des  Themistius  widerlegt.  Avempace  besteht  darauf,
dass  der  Intellect  bis  zur  Erfassung  der  Quiditas  simplex  Vordringen ­
  können  müsse,  weil  er  im  Anlangen  bei  dieser  zur
vollen  Beruhigung  gelangt;  müsste  er  bei  etwas  stehen  bleiben,
dessen  Quidität  er  nicht  mehr  abstrahiren  könnte,  so  könnte
er  mit  Bezug  auf  jenes  Object  nur  aequivoce  Intellect  heissen,
1  Prolog.,  qu.  1,  «art.  1.
^  apa  ö 1  svo^/etcu  Ttuv  xE^copiffjifiVtov  xi  voeiv  ovxa  aoxov  {xrj  xE^copiGjx^vov
piEYcOou;,  if)  ou,  gxe”teov  Caxepov.  Anim.  III,  p.  341  b,  lin.  17  f.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.