Scotus an, ohne indess mit demselben sich zu identiticiren.
Denn Scotus behauptet die directe Erkennbarkeit des Singulären
schlechthin, und erklärt dieselbe als denknothwendige
Consequenz des peripatetisch-scholastischen Empirismus; 1 ebenso
urgirt er, auf die Univocität des göttlichen und creatürlichen
Seins gestützt, in metaphysisch-absolutem Sinne, dass das Ens
als solches das adäquate Denkobject des menschlichen Intellectes
sei, während Bacontliorp unter Berufung auf Averroes,
der nur eine alles Sinnliche umfassende Seinsallgemeinheit anerkenne,
2 zwischen dieser und einer noch weiteren Seinsallgemeinheit,
welche neben allem Natürlichen auch das Uebernatürliche
umfasse, unterscheiden zu müssen glaubt. Er gibt
dann weiter allerdings zu, dass, da die Nothwendigkeit einer
übernatürlichen Erleuchtung zur Erkenntniss übernatürlicher
Objecte nur behufs der Steigerung unserer subjectiven Erkenntnisskraft,
nicht aber wegen der Verschiedenheit des Objectes
der natürlichen und übernatürlichen Erkenntniss statthabe, das
Seiende als solches ohne Rücksicht auf den Unterschied zwischen
Natürlichem und Uebernatürlichem das unserem Intellecte
adäquirte Erkenntnissobject sei, verknüpft aber dieses Zugeständniss
im Gegensätze zu Duns Scotus mit der Annahme
einer dem Menschen selber unbewussten Apperception des
Göttlichen in der Apperception des creatürlichen Seins, 3 worin
er sich mit Aureolus berührt. 4
Baconthorp begründet seine Lehre von Gott als Primum
cognitum aus der denknothwendigen Bezogenheit des geschöpf-1
Secundum illos ipsos (seil. Thomistas) intellectus noster non potest intelligere,
nisi convertendo se ad phantasmata; sed sic convertendo intelligit
singulare; ergo non potest intelligere universale, nisi simul intelligit
singulare; non ergo tantum per reflexionem. Scot. Quaestt. de anima,
qu. 22, n. 4.
2 Commentator, ut patet 3 Anim. comm. 36, nunquam posuit nos habere
altiorem cognitionem nisi ex sensibus, quia intellectus materialis dicitur
adeptus, quando totum agentem sibi copulavit per phantasmata sensibilium.
1 dist. 3, qu. 1, art. 1, §. 3.
3 Deus est primum et notissimum cognitum, quia primo generat notitiam
in nobis quantum est ex parte objecti; ita quod ex pbantasmate creaturae
primo generatur in nobis cognitio Dei, quam ipsius creaturae, licet
hoc non percipiamus. 1 dist. 3, qu. 1, art. 3, §. 1.
* Siehe oben S. 203.