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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Scotus  an,  ohne  indess  mit  demselben  sich  zu  identiticiren.
Denn  Scotus  behauptet  die  directe  Erkennbarkeit  des  Singulären ­
  schlechthin,  und  erklärt  dieselbe  als  denknothwendige
Consequenz  des  peripatetisch-scholastischen  Empirismus; 1  ebenso
urgirt  er,  auf  die  Univocität  des  göttlichen  und  creatürlichen
Seins  gestützt,  in  metaphysisch-absolutem  Sinne,  dass  das  Ens
als  solches  das  adäquate  Denkobject  des  menschlichen  Intellectes
  sei,  während  Bacontliorp  unter  Berufung  auf  Averroes,
der  nur  eine  alles  Sinnliche  umfassende  Seinsallgemeinheit  anerkenne, ­
 2  zwischen  dieser  und  einer  noch  weiteren  Seinsallgemeinheit, ­
  welche  neben  allem  Natürlichen  auch  das  Uebernatürliche
  umfasse,  unterscheiden  zu  müssen  glaubt.  Er  gibt
dann  weiter  allerdings  zu,  dass,  da  die  Nothwendigkeit  einer
übernatürlichen  Erleuchtung  zur  Erkenntniss  übernatürlicher
Objecte  nur  behufs  der  Steigerung  unserer  subjectiven  Erkenntnisskraft,
  nicht  aber  wegen  der  Verschiedenheit  des  Objectes
der  natürlichen  und  übernatürlichen  Erkenntniss  statthabe,  das
Seiende  als  solches  ohne  Rücksicht  auf  den  Unterschied  zwischen ­
  Natürlichem  und  Uebernatürlichem  das  unserem  Intellecte
adäquirte  Erkenntnissobject  sei,  verknüpft  aber  dieses  Zugeständniss
  im  Gegensätze  zu  Duns  Scotus  mit  der  Annahme
einer  dem  Menschen  selber  unbewussten  Apperception  des
Göttlichen  in  der  Apperception  des  creatürlichen  Seins, 3  worin
er  sich  mit  Aureolus  berührt. 4
Baconthorp  begründet  seine  Lehre  von  Gott  als  Primum
cognitum  aus  der  denknothwendigen  Bezogenheit  des  geschöpf-1

  Secundum  illos  ipsos  (seil.  Thomistas)  intellectus  noster  non  potest  intelligere,
  nisi  convertendo  se  ad  phantasmata;  sed  sic  convertendo  intelligit
singulare;  ergo  non  potest  intelligere  universale,  nisi  simul  intelligit
singulare;  non  ergo  tantum  per  reflexionem.  Scot.  Quaestt.  de  anima,
qu.  22,  n.  4.
2  Commentator,  ut  patet  3  Anim.  comm.  36,  nunquam  posuit  nos  habere
altiorem  cognitionem  nisi  ex  sensibus,  quia  intellectus  materialis  dicitur
adeptus,  quando  totum  agentem  sibi  copulavit  per  phantasmata  sensibilium.
  1  dist.  3,  qu.  1,  art.  1,  §.  3.
3  Deus  est  primum  et  notissimum  cognitum,  quia  primo  generat  notitiam
in  nobis  quantum  est  ex  parte  objecti;  ita  quod  ex  pbantasmate  creaturae
  primo  generatur  in  nobis  cognitio  Dei,  quam  ipsius  creaturae,  licet
hoc  non  percipiamus.  1  dist.  3,  qu.  1,  art.  3,  §.  1.
*  Siehe  oben  S.  203.
            
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