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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

jenen  obigen  Beweis  stringent  zu  machen,  jedenfalls  vorerst
genau  festgestellt  werden,  was  man  unter  dem  selbsteigenen
Intelligere  des  Menschen  zu  verstehen  habe.  Thomas  Aquinas
sucht  in  seinem  Werke  Contra  Gentes  1  als  Gesetz  der  kosmologischen ­
  Ordnung  zu  erhärten,  dass  in  der  von  unten  aufwärts
steigenden  Reihe  der  irdischen  Dinge  und  Wesen  das  Oberste
jeder  niederen  Wesenclasse  sich  mit  dem  Untersten  der  nächst
höheren  Wesenclasse  berühre  und  die  Wesensform  desselben
annehme,  so  noch  zuhöchst  der  Mensch,  das  oberste  der  animalischen ­
  Erdwesen  den  niedersten  Grad  der  Intelligenz,  welcher
der  untersten  der  reinen  Intelligenzen  eigen  ist.  Allein  das  von
Thomas  aufgewiesene  allgemeine  Gesetz  beschränkt  seine  Geltung ­
  auf  den  Bereich  der  aus  der  Materie  educirten  Wesensformen, ­
  lässt  sich  also  auf  den  von  einer  immateriellen  Intellectivseele
  informirten  Menschen  nicht  mehr  anwenden.  Der  von  ihm
beigezogene  Hilfsgrund,  dass  auch  den  Himmelskörpern  intellective
  Seelen  einwohnen,  ist  unzulässig,  weil  er  unwahr  ist,
und  wenn  er  wahr  wäre,  noch  nicht  die  Möglichkeit  der  Information ­
  des  corruptiblen  irdischen  Menschenkörpers  durch  eine
intellective  Form  erhärten  würde.  Nach  Baconthorp  lässt  sich
eine  bündige  Erweisung  der  Anima  intellectiva  als  Substanzialform
  dadurch  zuwege  bringen,  dass  man  zuerst  den  Satz:  Hoc,
quo  operamur  primo,  est  forma  nostri,  inductiv  erhärtet; 2
darunter  subsumirt  man  als  Untersatz  den  erfahrungsmässig  zu
begründenden  Satz:  Nos  intelligimus  primo  per  intellectum; 3
daraus  ergibt  sich  sodann  als  unabweisliche  Schlussfolge,  dass
der  Intellect  Wesensform  des  Menschen  sei.  In  der  genaueren
Ausführung  des  Untersatzes  macht  Baconthorp  bemerklich,
dass  bereits  unsere  Wahrnehmungsfähigkeit  für  das  Vorsich-1

  Contr.  Gent.  II,  cap.  68  und  70.
2  Patet  inductive,  quod  anima  intellectiva  est  forma  substantialis,  sicut  de
aliis;  qtiia  sient  in  elementis  et  mixtis  et  vegetabilibus  et  animalibus  est
verum,  quod  per  corruptionem  vel  per  mortem  ablata  forma  non  amplius
est  in  eis  principium  motus  et  Status,  ita  amoto  per  mortem  ab  homine
intellectu  non  amplius  est  in  eo  principium  intelligendi  et  habitnaliter
sciendi.  Quodlibet.  I,  qu.  2,  art.  3.
3  Die  erfahrungsmässige  Begründung  lautet:  Nos  cognoscere  arbitramnr,
cum  causas  primas  cognoscimus;  sed  arbitrari  sen  considerarc  et  advertere
se  scire  et  cognoscero  res  per  causas  suas  et  principium  illud  est  experimentum
  intellectuale  nostrum;  ergo  etc.  Ibid.
            
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