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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroiamus  in  der  christlich-peripatetischeu  Psychologie.

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boten,  gefolgert.  Averroes  lehre  nämlich,  es  gebe  einen  Intellectus
  materialis,  der  seine  ganze  Species  erschöpfe;  damit  combinirt
  Wilton  den  Gedanken,  dass  die  Natura  speciei  humanae
etwas  allen  Individuen  der  Menschengattung  Gemeinsames  bezeichne, ­
  und  somit  mit  dem  Intellectus  materialis  des  Averroes
sich  decke.  Derselbe  könne  als  Wesensform  des  Menschen
bezeichnet  werden,  da  die  Forma  substantialis  primär  auf  die
Perfection  der  in  allen  Individuen  dieselbigen  specifischen  Natur,
und  erst  secuudär  auf  die  Perfection  der  Individuen  gerichtet
sei,  und  daher  auch  nicht  der  Vielheitskategorie  des  individuellen ­
  Seins  unterzogen  werde.  In  diesem  Sinne  bezeichne
Averroes  den  Intellectus  materialis  ausdrücklich  als  Perfectio
prima  hominis,  und  als  Dasjenige,  was  den  Menschen  vom
Thiere  unterscheide.  Bacontliorp  lehnt  diese  Apologie  des  averroistischen
  Seelenbegriffes  als  verfehlt  ab,  schon  deshalb,  weil  die
Wesensform  nicht,  wie  Wilton  behauptet,  die  Natura  speciei,
sondern  laut  Aristoteles 1  das  Individuum  zum  Perfectibile
primurn  hat,  und  erst  in  zweiter  Linie  per  accidens  auch  die
im  Individuum  repräsentirte  Species  auszuwirken  bestrebt  ist.
Nach  Averroes  ist  die  erste  Verbindung,  welche  der  Intellect
mit  dem  belebten  Menschengebilde  eingeht,  jene  mit  den  Phantasmen ­
  des  Menschen;  diese  aber  gehören  dem  individuellen
Menschensein  an,  so  dass  nach  Averroes  selber  der  Intellect
nicht  die  Species,  sondern  das  Individuum  zum  Priinum  perfectibile ­
  hat.  Averroes  will  den  Intellect  unter  Anderem  auch  deshalb ­
  nicht  als  Wesensform  der  Individuen  gelten  lassen,  weil
nach  seiner  Annahme  die  Substanzialform  der  Individuen  nur
ein  Körper  oder  eine  körperliche  Kraft  sein  kann;  dieser  Grund
lässt  es  aber  auch  als  unthunlich  erscheinen,  den  Intellect  als
Wesensform  der  Natura  speciei  humanae  anzusehen,  weil  in
den  Begriff  derselben  die  Materie  gleichfalls  als  integrirendes
Moment  aufgenommen  ist.  Sollte  die  intellective  Seele  darum
nicht  in  einer  Mehrheit  vorhanden  sein  können,  weil  sie  primär
Perfeetiva  speciei  ist,  so  müsste  dasselbe  auch  von  der  Seele
einer  jeden  Thierspecies  gelten. 2

•  Vgl.  Aristot.  Metaph.  VI,  p.  1033  b,  lin.  12  ff.
2  Anima,  ut  constituit  naturain  speciei  tanquam  primum  perfectibile,  est
numerata  in  Omnibus  individuis;  per  hoc  enim,  quod  secundum  aliquos
            
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