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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  in  der  clirißtlich-peripatetischen  Psychologie.

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Sie  hat  vor  anderen  Wesensformen  nur  dies  voraus,  dass  sie
unabhängig;  von  ihrem  Subjecte  zu  bestehen  vermag,  was  jene
nicht  vermögen.  Die  Meinung,  Aristoteles  habe  es  zweifelhaft
gelassen,  ob  die  intellective  Seele  Wesensform  des  Leibes  sei,
ist  irrig.  1  Er  hält  von  vorneherein  den  Begriff  der  Wesensform
als  immanenten  Bewegungsprincipes  im  Gegensätze  zu  den  in
den  himmlischen  Intelligenzen  gegebenen  äusseren  Bewegungsprincipion
  der  Himmelskörper  fest;  daraus  folgt,  dass,  während
die  Himmelskörper  immer  bleiben,  was  sie  sind,  der  Mensch
aufhört,  zu  sein,  was  er  ist,  sobald  er  der  intellectiven  Seele
verlustig  gegangen  ist,  indem  das  körperliche  Residuum  nur
aequivoco  den  Namen  Mensch  führt.  2  Aristoteles  erläutert  das
Verhältniss  der  besonderen  Arten  der  Seele  zum  allgemeinen
Begriffe  der  Seele  durch  jenes  aller  besonderen  Arten  von  Figuren ­
  zum  allgemeinen  Begriffe  der  Figur;  3  wie  jede  besondere
Figur  unter  dem  allgemeinen  Begriffe  der  Figur,  ist  sonach  auch
der  Begriff  der  Anima  intellectiva  unter  dem  allgemeinen  Begriffe ­
  der  Seele  enthalten.  Wenn  Aristoteles  den  Intellectus  speculativus
  vom  allgemeinen  Seelenbegriffe  eximiren  zu  wollen
scheint, 4  so  hat  dies  seinen  Grund  darin,  dass  er  denselben
nicht  als  Seele,  sondern  als  Vermögen  der  Seele  ins  Auge
fasst,  worüber  zu  handeln  er  einer  späteren  Stelle  seines
Werkes  de  Anima 5  vorbehält.  Die  Aeusserungen  des  Aristoteles
über  die  intellective  Seele  als  Wesensform  des  Menschen  lauten
so  bestimmt  und  unzweideutig,  dass  die  Zweifel  über  den
wahren  Sinn  derselben  sich  nicht  aus  dem  Inhalte  der  Bücher
de  anima  erklären  lassen,  sondern  anderswoher  sich  begründen.
Und  in  der  That,  wenn  man  sich  blos  an  die  allgemeinen  kosmologischen ­
  Grundanschauungen  des  Aristoteles  hält,  so  lassen
sich  allerdings  gewichtige  Instanzen  gegen  die  oben  erhärtete
Lehre  des  Aristoteles  von  der  Anima  intellectiva  aufbringen; 6
1  Quodlibet.  I,  qu.  1,  art.  2,  §.  1.
2  üaconthorp  bezieht  sich  hier  auf  die  Stelle  Auim.  II,  p.  414  a,  lin.  12:  q
5s  touto,  w  £wpsv  xai  «!<jOavd|ieDa  xai  6iavooüp.E0a  Ttpcinos,  wäre  Xoyo;  rt;
av  e’t>)  xai  eI8o;,  aXX’  oty  öXrj  xai  to  6jioxe([J.evov.
3  Anim.  II,  p.  414  b,  lin.  20  ff.
4  Anim.  II,  p.  415  a.  lin.  11:  rapi  5!  tou  OEiopqrixoü  vou  ETEpo?  Xdyo;.
5  Anim.  III,  c.  5.
6  In  cominunibus  passibus  procedit  ex  principiis  communibus,  quorum  unum
est,  quod  materia  uunquam  est  sine  forma  nec  forma  sine  materia,
            
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