Der AverroismuB in der christlich-peripatetibchen Psychologie.
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Willen formirten Appetitus sensitivus zu einem wesentlichen
Mitträger des Habitus der moralischen Tugenden zu machen. 1
Damit glauben wir die auf einen christlich rectificirten
Averroismus gestützten psychologischen Grundannahmen des
Aureolus nach der Gesammtheit ihrer Consequenzen auf dem
Gebiete der Psychologie und Moral entwickelt zu haben, und
gehen sofort auf einen anderen, dem vierzehnten Jahrhundert
angehörigen theologischen Vertreter des Averroismus, den Carmeliten
Joannes Baconis (Johann von Baconthorp) über, dessen
psychologische Lehren und Anschauungen den Inhalt des nächstfolgenden
Abschnittes bilden.
II.
Johann von Baconthorp, kurzweg auch Baconthorp genannt,
2 nimmt gegen seinen Vorgänger Aureolus auf dem Gebiete
der Psychologie zunächst insoferne Stellung, als er zu
zeigen versucht, dass die Zweiheit der Naturen im Menschen,
welche Aureolus als eine durch die mehrerwähnte Entscheidung
1 Dass hier auch theologische Motive mitspielen, erhellt aus der gegen
Duus Scotus gerichteten Bemerkung des Aureolus: Dixi quod originalis
justitia est qualitas quaedam faeiens pleuaui obedientiam seusitivi appetitus
ad rationem, pronitatem ad bonum et difficultatem ad malum. Et per
opposituin dieo, quod peccatum originale est qnalitas faeiens rebellionem
appetitus sensitivi ad rationem, pro quanto inclinat ad malum et retrahit
a bono. Nee illa rebellio et iuobedientia est sola inelinatio appetitus in
objectum deleetabile .... quoniam illud, quod in se non habet rationem
deleetabilem, ex hoc solo, quod habet rationem vetiti, appetitus sensitivus
fertur in illud; illa ergo qualitas opposita origiuali justitiae est materialiter
peccatum formale. 2 dist. 30, art. 2.
2 Der Engländer Joannes Baconis, so benannt nach seinem Geburtsorte
Baconthorp, einem Flecken in der Provinz Norfolk, trat in den Orden
der Carmeliter, lehrte au der Sorbonne in Paris bis a. 1329, und wurde
dann zum Provineial der englischen Abzweigung seines Ordens gewählt
(f 1346). Von seinen gedruckten Schriften sind hier sein Commentar
zu den Sentenzenbüchern des Petrus Lombardus und seine Quodlibetica
(beide zusammen erschienen in Cremona, 1618, 2 voll., vol.) zu erwähnen;
seine Commentare zu den aristotelischen Schriften sind blos handschriftlich
vorhanden. Vanini (Amphit. div. provid., Exercit. IV) preist ihn
als Averroistarum princeps, meritissimus olim praeceptor, der ihn bewogen
habe, auf die Worte des Averroes zu schwören.