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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  AverroismuB  in  der  christlich-peripatetibchen  Psychologie.

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Willen  formirten  Appetitus  sensitivus  zu  einem  wesentlichen
Mitträger  des  Habitus  der  moralischen  Tugenden  zu  machen. 1
Damit  glauben  wir  die  auf  einen  christlich  rectificirten
Averroismus  gestützten  psychologischen  Grundannahmen  des
Aureolus  nach  der  Gesammtheit  ihrer  Consequenzen  auf  dem
Gebiete  der  Psychologie  und  Moral  entwickelt  zu  haben,  und
gehen  sofort  auf  einen  anderen,  dem  vierzehnten  Jahrhundert
angehörigen  theologischen  Vertreter  des  Averroismus,  den  Carmeliten
  Joannes  Baconis  (Johann  von  Baconthorp)  über,  dessen
psychologische  Lehren  und  Anschauungen  den  Inhalt  des  nächstfolgenden ­
  Abschnittes  bilden.

II.
Johann  von  Baconthorp,  kurzweg  auch  Baconthorp  genannt, ­
 2  nimmt  gegen  seinen  Vorgänger  Aureolus  auf  dem  Gebiete ­
  der  Psychologie  zunächst  insoferne  Stellung,  als  er  zu
zeigen  versucht,  dass  die  Zweiheit  der  Naturen  im  Menschen,
welche  Aureolus  als  eine  durch  die  mehrerwähnte  Entscheidung

1  Dass  hier  auch  theologische  Motive  mitspielen,  erhellt  aus  der  gegen
Duus  Scotus  gerichteten  Bemerkung  des  Aureolus:  Dixi  quod  originalis
justitia  est  qualitas  quaedam  faeiens  pleuaui  obedientiam  seusitivi  appetitus
ad  rationem,  pronitatem  ad  bonum  et  difficultatem  ad  malum.  Et  per
opposituin  dieo,  quod  peccatum  originale  est  qnalitas  faeiens  rebellionem
appetitus  sensitivi  ad  rationem,  pro  quanto  inclinat  ad  malum  et  retrahit
a  bono.  Nee  illa  rebellio  et  iuobedientia  est  sola  inelinatio  appetitus  in
objectum  deleetabile  ....  quoniam  illud,  quod  in  se  non  habet  rationem
deleetabilem,  ex  hoc  solo,  quod  habet  rationem  vetiti,  appetitus  sensitivus
fertur  in  illud;  illa  ergo  qualitas  opposita  origiuali  justitiae  est  materialiter
  peccatum  formale.  2  dist.  30,  art.  2.
2  Der  Engländer  Joannes  Baconis,  so  benannt  nach  seinem  Geburtsorte
Baconthorp,  einem  Flecken  in  der  Provinz  Norfolk,  trat  in  den  Orden
der  Carmeliter,  lehrte  au  der  Sorbonne  in  Paris  bis  a.  1329,  und  wurde
dann  zum  Provineial  der  englischen  Abzweigung  seines  Ordens  gewählt
(f  1346).  Von  seinen  gedruckten  Schriften  sind  hier  sein  Commentar
zu  den  Sentenzenbüchern  des  Petrus  Lombardus  und  seine  Quodlibetica
(beide  zusammen  erschienen  in  Cremona,  1618,  2  voll.,  vol.)  zu  erwähnen;
seine  Commentare  zu  den  aristotelischen  Schriften  sind  blos  handschriftlich ­
  vorhanden.  Vanini  (Amphit.  div.  provid.,  Exercit.  IV)  preist  ihn
als  Averroistarum  princeps,  meritissimus  olim  praeceptor,  der  ihn  bewogen ­
  habe,  auf  die  Worte  des  Averroes  zu  schwören.
            
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