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sonst aber gelten sie ihm als Partes potentiales der genannten
Cardinaltugend. Aureolus 1 bemerkt dawider, dass die Cardinaltugend
der Fortitudo nicht blos die Todesgefahr, sondern jegliches
Furchtbare zu ihrem Objecte habe, und die Todesverachtung
als Particulartugend unter die allgemeine Tugend
der Fortitudo falle. Aureolus gewinnt das Mannigfaltige der
unter dieselbe fallenden Tugenden durch Bezugnahme auf die
vom Bonum rationis abschreckenden Affecte: Timor, Desperatio,
Tristitia. Der erste der genannten Affecte wird überwunden
durch die Securitas; die Passio desperationis durch die Tugenden
der Magnanimitas (respectu boni ardui) und Coniidentia
(respeetu boni non ardui); auf die starkmüthige Repression
der Tristitia beziehen sich verschiedene besondere Tugenden,
je nach Massgabe der besonderen Ursachen der Tristitia: Aequanimitas
(bei Unglücksfällen), Constantia (äusseres Standhalten
gegen gewaltthätige Affecte), Patientia (innerliche Fassung bei
Beleidigungen), Magnificentia (hochherziges Verhalten bei bedeutender
Schmälerung des zeitlichen Besitzes), Longanimitas
(geduldiges Zuwarten), Strenuitas (Unverdrossenheit bei unerquicklicher
Arbeitsmühe), Perseverantia.
Als Partes integrales der Cardinaltugend der Temperantia
bezeichnet Thomas 2 ) die Verecundia und Ilonestas; subjective
Tlieile derselben sind ihm Abstinentia und Sobrietas, Castitas
und Pudicitia; als Partes potentiales bezeichnet er mit Beziehung
auf die inneren Bewegungen der Seele Continentia,
ITumilitas, Mansuetudo oder Clementia, mit Bezug auf die äussere
Selbstdarstellung des Menschen die Modestia, bezüglich des Begehrens
nach äusseren Dingen Parcitas und Moderatio, wie Macrobius
diese beiden Tugenden nennt, oder Per se sufficientia und
Simplicitas, wie sie bei Andronicus 3 heissen. Aureolus macht
hier wieder geltend, dass die Temperantia als Cardinaltugend
eine weitumfassende Tugend sein müsse, welche alle auf sie bezüglichen
Tugenden als wesentliche Tlieile (partes subjectivas)
und Species specialissimas zu umschliessen habe. Er vereiniget
1 3 disti 33, qu. 2, art. 3.
2 2, 2, qu. 143, art. 1.
3 Andronicus (c. a. 70 a. Chr.), der bekannte Ordner der aristotelischen
Schriften, dessen Paraphrasis in Etliic. Aristot. a. 1607 durch Heinsius
zum Druck befördert wurde.