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W erner.
intellectives und sensitives zu theilen, da diese Scheidung nicht
im Wesen der Seele als solcher begründet, sondern auf entgegengesetzte
Impulse zurückzuführen ist, welche, seien sie innerhalb
oder ausserhalb des Menschen gelegen, entweder geistiger
oder sinnlicher Natur sein können. Aureolus denkt bei den
Motionen des sensitiven.Begehrens und Strebens an die leiblich
basirten Emotionen der verschiedenen Temperamentsartungen;
diese letzteren sind jedoch nur individuelle Beeinflussungen
und Tingirungen des gemeinmenschlichen seelischen Empfindens
und Begehrens, welches durch die specielle Disposition der
sinnlichen Leiblichkeit nicht gemacht, sondern nur auf eine bestimmte
Weise gestaltet wird. Den durch die sinnliche Leiblichkeit
bedingten Tingirungen und Beeinflussungen des seelischen
Affectlebens steht eine andere Art von Motionen des seelischen
Affectlebens gegenüber, die, aus einer höheren geistigen Sphäre
stammend, mit der Macht der Begeisterung auf das Menschengemüth
wirken, und die natürliche Selbstigkeit im Elemente
einer reinen und lauteren Freude am Wahren, Guten und
Schönen um seiner selbst willen reinigend und klärend umbilden.
Die Lehre von den Affecten ist für die richtige Ausgestaltung
der christlichen Tugendlehre von hohem Belange. Die
religiösen Tugenden des Glaubens, Höffens und Liebens haben
im Unterschiede von den sogenannten moralischen oder Willenstugenden
einen durchaus affectiven Character, daher denn die
auf die Tugendstimmungen des christlichen Glaubens, Höffens
und Liebens gegründete Theologie wesentlich Theologia affectiva
ist, und als solche in der christlichen Mystik sich ausgestaltet
hat. Den sogenannten moralischen Tugenden, zu
welchen Aureolus beziehungsweise auch die Yirtus prudentiae
rechnet, 1 kommt, soweit sie zum Affectleben der Seele in Beziehung
stehen, nur ein moderativer oder repressiver Einfluss
zu; die mit der Uebung jener Tugenden verbundene Steigerung
1 Impossibile est, actum prudentiae proprie dictum esse in intellectu, quin
sit actus virtutis moralis in voluntate. . . . Impossibile est habitum
prudentiae acquiri in intellectu, quin liabitus moralis conformis acquiratur
in appetitu . . . Impossibile est liabitus prudentiae esse in intellectu,
quin omnes virtutes morales, quae distinquuntur per prudentiam, sint in
appetitu. Et haec est intentio Philosophi expresse, licet aliqui velint
somniare contrarium. 3 dist. 35, art. 2.