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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  AverroismuB  iu  der  ckrintliok-peripatetißcken  Psychologie.

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sivere,  sei  es  im  Guten  oder  Bösen,  vorausgesetzt  werden
müssen.  Darin  eben,  dass  in  der  peripatetischen  Scholastik  die
Eindrueksfähigkeit  des  menschlichen  Seelenwesens  verkannt,
und  derselben  eine  blosse  Receptivität  für  Erkenntnisseindrücke
substituirt  wird,  liegt  der  Grund,  weshalb  Aureolus  die  sogenannten ­
  Passiones  animales  blos  als  Leidenheiten  des  somatischen ­
  Herzens  zu  fassen,  und  die  denselben  entsprechenden
psychischen  Dispositionen  als  blosse  Ursachen  dieser  Leidenheiten ­
  zu  erkennen  weiss.
Aureolus  kann  und  will  selbstverständlich  die  Affecthandlungen
  aus  dem  höheren  Seelenleben  nicht  ausschliessen;
er  erklärt  ausdrücklich,  dass  das  Concupiscibile  und  Irascibile
eben  so  in  der  intellectiven  Sphäre,  wie  in  der  sensitiven  vorhanden ­
  sei,  1  was  aus  der  oben  erwähnten  potentiellen  Einheit
des  Willens  und  des  Appetitus  sensitivus  sich  von  selbst  ergibt.
Er  macht  sich  jedoch  gemeinhin  einer  ungerechtfertigten  Identificirung
  der  Affecthandlungen,  die  eigentlich  doch  nur  passive
Seelenerregungen  sind,  mit  den  Willenshandlungen  schuldig,
verwechselt  also  Lebensäusserung  mit  Willensäusserung.  In
eigentliche  Actionen  setzen  sich  die  Affectbewegungen  erst  dadurch ­
  um,  dass  sie  aus  unwillkürlichen  Lebensäusserungen  zu
Acten  des  Willens  werden;  die  Affecte  sind  Motive  und  Impulse ­
  des  Willens,  nicht  selbst  aber  Wollungen,  da  der  freie
Selbstwille  eben  mit  Rücksicht  auf  jene  Impulse  und  Motive
sich  bestimmen  soll.  Sofern  die  Affecte  ihrem  innersten  Wesen
nach  pathologischer  Natur  sind,  ist  es  fraglich,  ob  man  sie
selbst  für  den  Fall,  dass  man  das  Wort  Wille  im  weitesten
Sinne  als  Begehrungskraft  der  Seele  nimmt,  als  Aeusserungen
des  natürlichen  Seelenwillens  nehmen  dürfe.  Sie  sind  Empfindungen ­
  der  Seele,  und  nur,  sofern  diese  Empfindungen  zugleich
von  gewissen  durch  sie  sollicitirten  unmittelbaren  Regungen
natürlichen  Begehrens  begleitet  werden,  auch  natürliche  Willensäusserungen ­
  der  Seele,  die  jedoch  erst  dadurch,  dass  der  rationale ­
  selbstige  Seelenwille  ihnen  zustimmt  und  Folge  gibt,  zu
selbstigen  Willensäusserungen  werden.  Es  geht  ferner  nicht  an,
das  Concupiscibile  und  Irascibile  oder  seelisches  Begehrungsund ­
  Strebevermögen  von  vorneherein,  wie  Aureolus  will,  in  ein

1  3  dist.  23,  art.  3.
            
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