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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroitsmutj  in  der  cliristlich-peripatetischen  Psychologie.

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psychisch-somatische  Bedeutung  des  Herzens  auf,  welche  er
mit  jener  vorübergehenden  Selbstcorrectur  nicht  in  Einklang
zu  bringen  weiss.  Er  ratiocinirt  nämlich  so:  Der  Mensch  hat
Affecte,  weil  er  ein  Herz  hat;  diese  eigenthümliche  Art  von
psychischer  Lebendigkeit  muss  wegfallen,  wenn  das  Subject
derselben,  das  Herz,  oder  allgemeiner  die  sinnliche  Leiblichkeit
durch  den  Tod  zerstört  ist;  also  sind  die  Affecte  doch  nur
Passiones  conjuncti,  nicht  Passiones  der  Seele  an  sich.  Hier
ist  nun  zunächst  übersehen,  dass  die  Seele  nicht  blos  Vitalkraft ­
  des  Leibes,  sondern  wesentlich  selber  ein  Lebendiges  ist,
wie  sie  denn  auch  nur  unter  dieser  Voraussetzung  Vitalprincip
des  Leibes  ist.  Da  ferner  die  Organisation  des  Leibes  dem
Wesen  der  Seele  angepasst,  ja  eigentlichst  plastischer  Ausdruck
der  psychischen  Organisation  des  Menschen  ist,  so  ist  es  ganz
sachgemäss  und  erklärlich,  dass  das  Herz  als  Lebensherd  des
Leibes  zugleich  auch  die  somatische  Stätte  der  seelischen  Empfindung ­
  ist;  ja  der  gesammte  innere  Seelenmensch  ist  als  empfindender ­
  im  Herzen  gesammelt,  wie  er  als  denkender  und  wollender ­
  im  Haupte  locirt  ist  und  von  da  aus  über  die  leiblichen
Organe  seines  selbstthätigen  Thuns  gebietet.  Der  innere  Seelenmensch ­
  gliedert  und  concretisirt  sich  in  seiner  Entwickelung
durch  das  Auseinandertreten  von  Herz,  Geist  und  Wille;  dieser
inneren  Selbstgliederung  entspricht  die  Configuration  des  leiblichen ­
  Menschengebildes  als  plastischer  Abdruck  und  somatisches ­
  Thätigkeitsvehikel  des  inneren  Seelenmenschen.  Da
Aureolus  den  lebendig  concretisirten  Begriff  des  inneren  Seelenmenschen ­
  nicht  hatte,  so  konnte  er  das  Herz  nur  als  somatische, ­
  nicht  aber  auch  als  psychische  Realität  begreifen,  und
zu  einem  aus  dem  Wesen  der  Seele  geschöpften  Verständniss
der  an  der  Stätte  des  somatischen  Herzens  statthabenden
Wechselbezüge  zwischen  der  seelischen  Innerlichkeit  und  der
sinnlichen  Leiblichkeit  nicht  Vordringen.  Dazu  wäre  nothwendig
gewesen,  die  menschliche  Seele  als  lebendige  Selbstigkeit  zu
erfassen,  als  deren  receptive  oder  reactive  Aeusserungen  die
seelischen  Affecte  zu  nehmen  sind;  in  dem  Masse  nun,  als  die
sinnliche  Leiblichkeit  an  der  seelischen  Selbstigkeit  Antheil
hat,  müssen  sich  die  mannigfachen  Affectionen  letzterer  auch
an  der  somatischen  Stätte  des  seelischen  Empfindens,  d.  i.  im
Herzen  reflectiren,  dessen  Benennung  deshalb  auf  die  ini  selbstigen
            
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