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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

Die  Passiones  animales  stehen  insofern  zu  den  Passiones
corporales  in  einem  genetischen  Verhältnisse,  als  durch  letztere
auch  erstere  hervorgerufen  werden.  Bei  deu  Thiereu  haben
die  Passiones  corporales  gewisse  ihnen  entsprechende  Passiones
animales  zur  unausbleiblichen  Folge;  1  denn  die  Aestimativa
des  Thieres  entbehrt  der  discursiven  Thätigkeit,  mittelst  welcher
im  Menschen  das  durch  den  unmittelbaren  sinnlichen  Eindruck
provocirte  Urtheil  der  Aestimativa  geändert  werden  kann. 2
Allerdings  muss  der  vom  gegenwärtigen  sinnlichen  Eindrücke
beherrschten  Aestimativa  die  nöthige  Freiheit  verschafft  werden,
auf  dasjenige  Gedankenmotiv  zu  advertiren,  kraft  dessen  ihr
unmittelbares  Urtheil  umgestimmt  werden  kann.  Diese  Freiheit
wird  ihr  verschafft  durch  jenen  Grad  von  Spannung  und  Steigerung ­
  der  seelischen  Attention,  welcher  ausreicht,  der  in  der
Aestimativa  wirksamen  Ratio  die  Verknüpfung  und  discursive
Zusammenhaltung  des  zu  berücksichtigenden  Gedankenmotivs
mit  dem  unmittelbaren  Urtheile  der  Aestimativa  zu  ermöglichen.
Allen  apprehensiven  Potenzen  ist  ein  Attentionsvermögen  eigen,
dessen  Steigerung  mit  Lust  verbunden  ist;  so  ist  denn  auch
die  apprehensive  Ratio  einer  derartigen  Steigerung  fähig,  dass
sie  ganz  und  gar  sich  in  das  Object  ihrer  Thätigkeit  versenkt,
und  in  Kraft  der  aus  dieser  ihrer  gespannten  Attention  geschöpften ­
  Befriedigung  den  unmittelbaren  Eindruck  der  sinndie

  Passiones,  obschon  nur  in  accidenteller  Weise,  eigentliche  Leidenheiten
  der  Seele:  Passio  proprie  dicta  non  potest  competere  animae,  nisi
per  accidens,  inquantum  seil,  compositum  patitur.  Sed  in  hoc  est  diversitas;
  nam  quando  hujusmodi  transmutatio  fit  in  deterius,  magis  proprie
habet  rationem  passionis,  quam  quando  fit  in  melius;  unde  tristitia  magis
proprie  est  passio  quam  laetitia  (2,  1  qu.  22,  art.  1).
1  Katio,  quare  sic  se  concomitantur  tales  passiones  diversarum  potentiarum,
est  ex  connexione  objectorum.  Quando  potentiae  sic  se  habent,  quod
praesente  objecto  uni  potentiae  fit  objectum  conforme  alteri,  necessario
ex  passione  causata  ab  objecto  in  illa  potentia  fit  conformis  in  alia;  sed
ad  praesentiam  objecti  extra  fit  necessario  objectum  praesens  in  imaginatione,
  et  ab  ista  fit  objectum  conforme  in  aestimativa,  et  objectum  sic
judicatum  necessario  est  objectum  appetitus.  3  dist.  16,  qu.  2,  art.  1.
2  Aestimativa  discurrens  copulat  futurum  bonura  cum  praesenti  malo,  et
judicat  passionem  exterius  apprehensam  esse  bonam,  et  tune  necessario
gaudium  in  corde,  quod  expresse  patet  in  matribus,  in  quibus  judicium
propter  gaudium  futurum  non  sequebatur  passionem  exteriorem.  Unde
dicebat  beatus  Laurentius  in  tormentis:  Gratias  tibi  ago  Domine  etc.  Ibid.
            
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