Der Averroismus in der chrißtlich-peripatetischen Psychologie.
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stellt. Statt dessen verhält sich die Seele sowohl im sinnlichen
als auch im geistigen Erkennen einfach receptiv; 1 sie zieht
nicht etwa das Object der Erkenntniss aus der sich ihr präsentirenden
Erscheinung hervor, sondern hat es unmittelbar in
dem ihrer Perception sich präsentirenden äusseren Gegenstände,
welche sich ihr für die sinnliche Anschauung als individualisirtes
und particularisirtes Quantum, für die intellective Anschauung
nach seinem der sinnlichen Individualisirung entkleideten
Denkinhalte vorstellt. 1 In diesem, das Verhältniss
der Seele zum Leibe nachbildenden Verhältniss der Intentio
intellecta zur Intentio imaginata gibt sich weiter auch das Verhältniss
des erkennenden Subjectes zum erkannten Gegenstände
zu erkennen; das Erkennen vollzieht sich nach Aureolus nicht,
wie Thomas Aq. lehrte, durch Selbstverähnlichung des Erkennenden
mit dem Erkannten, sondern einfach nur durch unmittelbare
Selbstvorstellung des Objectes im erkennenden Subjecte.
So wenig die Seele den Leib sich innerlich aneignet, eignet der
Mensch sich im Erkennen die ihm objectiv gegenüberstehende
Wirklichkeit innerlich an; dergestalt reflectirt sich der anthropologische
Dualismus des Aureolus auch in seiner Erkenntnisstheorie,
ja er hat sogar, sofern er auf die Grundanschauung
des Aureolus vom menschlichen Intellecte sich stützt, in der
Erkenntnisstheorie seinen Ausgangspunkt und Hauptstützpunkt.
Aureolus hat die averroistische Unterlage seiner Anthropologie
und Erkenntnisslehre so weit umgestaltet, als es nothwendig
war, um dem gemeinmenschlichen Bewusstsein gerecht
zu werden, welches sagt, dass das intellective Denken und
Erkennen des Menschen ein selbsteigenes Thun des Menschen
und nicht das Denken einer vom singulären Menschen verschiedenen
universalen, in allen Menschen numerisch dieselben
Potenz sei. Obschon aber das intellective Denken und Er-1
Secundum Commentatorem in 2. de anima sensus et intellectus sunt
virtutes receptivae et non activae; recipiunt enim formas seu similitudines
remm et judieant secundum eas, unde dicit, quod recipere non est
judicare. Agunt ergo secundum judicium, et patiuntur secundum receptionem.
1 dist. 35, art. 1.
2 Res ipsae constituuntur mente, et illud quod intuemur, non est forma
alia specularis sed ipsamet res, habens esse apparens, et hoc est mentis
conceptus seu notitia objectiva. 1 dist. 9, art. 1.