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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  in  der  chrißtlich-peripatetischen  Psychologie.

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stellt.  Statt  dessen  verhält  sich  die  Seele  sowohl  im  sinnlichen
als  auch  im  geistigen  Erkennen  einfach  receptiv;  1  sie  zieht
nicht  etwa  das  Object  der  Erkenntniss  aus  der  sich  ihr  präsentirenden
  Erscheinung  hervor,  sondern  hat  es  unmittelbar  in
dem  ihrer  Perception  sich  präsentirenden  äusseren  Gegenstände,
welche  sich  ihr  für  die  sinnliche  Anschauung  als  individualisirtes
  und  particularisirtes  Quantum,  für  die  intellective  Anschauung ­
  nach  seinem  der  sinnlichen  Individualisirung  entkleideten ­
  Denkinhalte  vorstellt. 1  In  diesem,  das  Verhältniss
der  Seele  zum  Leibe  nachbildenden  Verhältniss  der  Intentio
intellecta  zur  Intentio  imaginata  gibt  sich  weiter  auch  das  Verhältniss
  des  erkennenden  Subjectes  zum  erkannten  Gegenstände
zu  erkennen;  das  Erkennen  vollzieht  sich  nach  Aureolus  nicht,
wie  Thomas  Aq.  lehrte,  durch  Selbstverähnlichung  des  Erkennenden ­
  mit  dem  Erkannten,  sondern  einfach  nur  durch  unmittelbare ­
  Selbstvorstellung  des  Objectes  im  erkennenden  Subjecte.
So  wenig  die  Seele  den  Leib  sich  innerlich  aneignet,  eignet  der
Mensch  sich  im  Erkennen  die  ihm  objectiv  gegenüberstehende
Wirklichkeit  innerlich  an;  dergestalt  reflectirt  sich  der  anthropologische ­
  Dualismus  des  Aureolus  auch  in  seiner  Erkenntnisstheorie,
  ja  er  hat  sogar,  sofern  er  auf  die  Grundanschauung
des  Aureolus  vom  menschlichen  Intellecte  sich  stützt,  in  der
Erkenntnisstheorie  seinen  Ausgangspunkt  und  Hauptstützpunkt.
Aureolus  hat  die  averroistische  Unterlage  seiner  Anthropologie ­
  und  Erkenntnisslehre  so  weit  umgestaltet,  als  es  nothwendig
  war,  um  dem  gemeinmenschlichen  Bewusstsein  gerecht
zu  werden,  welches  sagt,  dass  das  intellective  Denken  und
Erkennen  des  Menschen  ein  selbsteigenes  Thun  des  Menschen
und  nicht  das  Denken  einer  vom  singulären  Menschen  verschiedenen ­
  universalen,  in  allen  Menschen  numerisch  dieselben
Potenz  sei.  Obschon  aber  das  intellective  Denken  und  Er-1

  Secundum  Commentatorem  in  2.  de  anima  sensus  et  intellectus  sunt
virtutes  receptivae  et  non  activae;  recipiunt  enim  formas  seu  similitudines
  remm  et  judieant  secundum  eas,  unde  dicit,  quod  recipere  non  est
judicare.  Agunt  ergo  secundum  judicium,  et  patiuntur  secundum  receptionem.
  1  dist.  35,  art.  1.
2  Res  ipsae  constituuntur  mente,  et  illud  quod  intuemur,  non  est  forma
alia  specularis  sed  ipsamet  res,  habens  esse  apparens,  et  hoc  est  mentis
conceptus  seu  notitia  objectiva.  1  dist.  9,  art.  1.
            
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