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Por Averrommufj in der ciirietlich-peripntetischen Psychologie. 195
Die Abweichung' des Aureolus von der seotistischen und
thomistischen Auffassung der Seelenpotenzen erklärt sich daraus,
dass er die active und passive Potenzialität der Seele unmittelbar
mit dem Wesen der Seele selber identificirt, die er ja aus
Potenz und Actus als zwei von einander unterschiedenen Realitäten
zusammengesetzt sein lässt. Da nun die Seele im Verhältniss
zu dem von ihr belebten Leibe nicht Gestaltungsprincip,
sondern nur Bewegungsprincip ist, so kann auch ihr Einfluss
auf die Functionen der Sinnesorgane des ihr angepassten Leibes
nur jener eines Bewegungsprincipes sein, während das Ergebniss
der in Kraft der belebenden Seele vor sich gehenden Sinnesthätigkeiten
etwas für die Seele rein Gegebenes ist; die Seele
ist nicht Gestalterin der Apperceptionen der Sinnesvermögen,
sondern bloss die unerlässliche Möglichkeitsbedingung ihres
Zustandekommens. Der Seele an sich kommt abgesehen von
der motorischen Thätigkeit, welche sie auf den ihr angepassten
Leib ausübt, nur das Denken und Erkennen, Wollen und
Streben als selbsteigene Thätigkeit zu. Die sensitiven Apperceptionen
des Menschen hat man, soweit in ihnen ein actives
Moment enthalten ist, durch die Thätigkeit der leiblichen Sinnesorgane
zu Stande gebracht zu denken, obschon diese nur in
Kraft der belebenden Information des Leibes durch die Seele
tliätig gedacht werden können. Man kann es Aureolus zum
Verdienste anrechnen, dass er den vielfach störenden Begriff
der Anima sensitiva aus der scholastisch-aristotelischen Philosophie
zu eliminiren trachtete; aber dieses Verdienst würde
nur dann zur vollen und wirklichen Geltung gelangen, wenn
er, statt mit den übrigen Scholastikern am Begriffe des an
sich todten Stoffes festzuhalten, zum Gedanken einer activen
Lebendigkeit des Stoffes fortgeschritten wäre. Denn erst in
Kraft dieses Gedankens wäre er berechtiget gewesen, den Begriff
der Anima sensitiva als einer von der Anima intellectiva
unterschiedenen Realität abzuwerfen, und hätte zugleich auch
t die Mittel gefunden, den unvermittelten Dualismus seiner anthrol
pologischen Grundanschauung zu überwinden. Denn eben nur
eine an sich lebendige Leiblichkeit ist geeignet, von der Anima
intellectiva derart durchdrungen zu werden, dass sie sich mit
dem intellectiven Informationsprincipe zur lebendigen Einheit
zusammenschliesst. Der durch die unvermittelte, unrichtige
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