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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

Leibe  hinweg,  sondern  bleiben  in  der  Seele  auch  nicht  einmal
virtualiter  oder  causaliter  zurück,  weil  sie  eben  nicht  aus  der
Seele  emaniren;  sie  ergeben  sich  aus  dem  Wesen  der  Seele
nur  exigitiv, 1  sofern  der  Leib  als  Wirkungsorgan  der  Seele
dem  Wesen  derselben  angepasst  sein  muss.  Durch  diese  Erklärungen ­
  stellt  sich  Aureolus  als  anthropologischer  Dualist
in  Gegensatz  zu  Thomas,  welcher  wohl  gleichfalls  zwischen  den
der  Seele  allein  angehörigen  Actionen  und  den  Actiones  eonjuncti
  unterscheidet,  und  als  Subject  der  letzteren  das  Compositum ­
  humanum  ansieht,  aber  zwischen  Subject  und  Princip
der  Seelenpatenzen  unterscheidend  daran  festhält,  dass  alle
Seelenpotenzen  aus  dem  Wesen  der  Seele  emaniren,  2  und  demzufolge ­
  die  sensitiven  Potenzen  in  der  vom  Leibe  abgeschiedenen
Seele  virtuell  Zurückbleiben.  3  Noch  weiter  entfernt  sich  Aureolus
von  Duns  Scotus,  welcher  die  Potenzen  der  Seele  mit  dem
Wesen  der  Seele  enger  verbunden  sein  lässt  als  Thomas,  und
überdiess  die  sensitive  Seele  des  Menschen  zugleich  mit  der
intellectiven  Seele  unmittelbar  durch  Gott  geschaffen  und  dem
Menschen  eingesenkt  werden  lässt. 4  Da  beide  Seelen  eine
unzertrennliche  Einheit  bilden,  so  müssen  die  Vermöglichkeiten
der  Sensitiva  in  der  vom  Leibe  geschiedenen  Seele  Zurückbleiben, ­
  obschon  die  Organe  ihrer  Eethätigung  fehlen. 5

1  Anima  enim  exigit,  quod  talia  »int  organa,  et  sic  mixta  ad  medium
reducta,  et  quod  organum  differat  ab  organo,  et  per  consequens,  quod
eorum  qualitates  mediae  et  potentiae  sint  tales,  et  aliae  ac  aliae.  lbid.
2  Omnes  potentiae  animae,  sive  subjectum  earum  »it  anima  sola,  sive  compositum, ­
  fluunt  ab  essentia  animae  sicut  a  principio.  1  qu.  77,  art.  6.
3  Quaedam  potentiae  sunt  in  conjuncto  sicut  in  subjecto,  sicut  omnes  potentiae ­
  sensitivae  partis  et  nutritivae;  destructo  autem  subjecto  non  potest
accidens  remanere.  Unde  corrupto  conjuncto  non  manent  hujusmodi  potentiae ­
  actn,  sed  virtute  tantum  manent  in  anima  sicut  in  principio  vel  radice.
1  qu.  77,  art.  8.
*  Vgl.  meine  Schrift:  ,Joh.  Duns  Scotus“,  S.  289  ff.
5  Scotus  beruft  sich  hiefiir  auf  die  pseudoaugustiuische  Schrift  de  spiritu  et
anima  (c.  15),  und  citirt  ans  derselben  folgende  Stelle:  ,Invita  anima
recedit,  secum  trahens  omnia,  sensum  et  imaginationem,  rationem  et
intellectum  Non  liabens  ubi  vires  suas  exerceat,  requiescit  ab
his  motibus,  quibus  corpus  per  tempns  et  locum  movebat.“  Patet,  fügt
Scotus  bei,  quod  anima  separata  quiescit  ab  omni  actn  virium,  quae  dum
erat  in  corpore,  organo  indigebant.  Rer.  princip.  qu.  11,  art.  2,  n  12.
            
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