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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Dor  AverroiemiiB  in  der  christlich-peripatetischen  Psychologie.

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es  ihm  so  schwer  macht,  die  Idee  der  menschlichen  Seele  als
Wesensform  des  Leibes  in  dem  vom  Viennenser  Concil  declarirten
  Sinne  als  eine  philosophisch  streng  erweisbare  Wahrheit
anzuerkennen.
Der  Einfluss  der  averroistischen  Auslegung  des  Aristoteles
zeigt  sich  auch  in  der  Lehre  des  Aureolus  von  dem  Seelenvermögen. ­
  Der  intellectiven  Seele  als  solcher  kommt  ausser
den  Thätigkeiten  der  Intellection  und  Wollung  nur  die  Virtus
motiva,  durch  welche  sie  den  Körper  bewegt,  als  selbsteigenes
Vermögen  zu.  Es  liegt  im  Begriffe  der  Seele,  dass  ihr  dieses
Vermögen  eigne;  das  Verhältniss  zwischen  Seele  und  Körper
ist  jenes  des  Movens  zum  Motum.  Und  da  nichts  sich  selber
bewegen  kann,  so  beweist  sich  hieraus,  dass  nicht  bloss  im
Menschen,  sondern  auch  in  den  Thieren  Seele  und  Leib  essentiell ­
  verschieden  sein  müssen. 1  Die  sensitiven  Apprehensivkräfte
  hingegen  sind  nicht  Potenzen  der  Seele  für  sich  allein,
auch  nicht  einmal  schlechthin  Potenzen  des  Menschenwesens
als  Compositum  aus  Seele  und  Leib,  sondern  insofern  der  Leib
eine  mittlere  Proportion  der  Gegensätze  des  Warmen  und  Kalten,
Feuchten  und  Trockenen  darstellt.  Unter  den  apprehensiven
sensitiven  Potenzen  sind  also  die  Ausgleichungen  der  genannten
Gegensätze  in  Bezug  auf  das  Tangible,  Schmeckbare,  Riechbare
u.  s.  w.  als  bestimmte  complexionale  Formen  und  absolute
Qualitäten,  welche  aus  der  Beschaffenheit  des  Compositum
humanum  sich  ergeben,  zu  verstellen. 2  Diese  Potenzen  fallen
nicht  nur  selbstverständlich  bei  der  Trennung  der  Seele  vom

ipsam  animam,  non  qnia  constituant  animam  sicnt  materia  et  forma,  quae
sunt  res  ab  invicem  separabiles,  sed  quod  ad  eam  concurrant  sicut  duae
realitates  inseparabiles.  Aureol.  Quodlibet.  VII,  art.  2.
1  Miror  multum,  quod  philosophantes  potuerunt  adbaerere  illi  opinioni  vulgatae,
  quod  in  aninmlibus  non  differat,  realiter  et  secundum  essentiam
corporeitas  ab  ipsa  anima.  Videtur  enim  mihi,  quod  apud  Aristotelem
et  ejus  sequaces  necesse  sit,  quod  alia  sit  animae  realitas  a  realitate  corporis; ­
  nam  Aristoteles  et  Commentator  expresse  dicunt,  quod  in  animali
oportet  animam,  quae  est  motor,  distingui  a  corpore,  quod  est  motum.
Et  ratio  est,  quia  movens  necesse  est  quod  distinguatur  a  moto,  ut  expresse ­
  Commentator  dicit  8  Physic.  4  dist.  45,  art.  2.
2  Actus  sentiendi  non  est  conjunctim,  nisi  per  rationem  talis  mixtionis  et
medietatis  ipsaruin  qualitatum  sensibilium;  ergo  nec  potentiae.  4  dist.
45,  art.  1.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCVIII.  Bd.  I.  Hft.

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